ABS und Structured Finance: Auswirkung von IFRS 9 auf die Rechnungslegung

ERM
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08. Oktober 2018
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Von Dirk Auerbach, Markus Schupp

Die Erstanwendung von IFRS 9 zum 1. Januar 2018 wird als eine der größten Änderungen der Bilanzierung von Finanzinstrumenten wahrgenommen. Insbesondere Kreditinstitute haben zur Anwendung der Regelungen umfangreiche Umsetzungsprojekte bearbeitet. Für den Bilanzierenden stellen Verbriefungen komplexe Finanzinstrumente mit teilweise eingeschränkter Datenverfügbarkeit und Transparenz dar. Dies führt – gepaart mit spezifischen Bilanzierungsregeln – zu einem im Vergleich zu einfacheren Instrumenten prozessual abweichenden Vorgehen zur Umsetzung der Klassifizierungs- und Impairment-Vorschriften.

Klassifizierung von Verbriefungen

Während das grundsätzliche Konzept der Bewertungskategorien aus IAS 39 erhalten bleibt, verändert IFRS 9 den Klassifizierungsprozess und die zugehörigen Vorgaben deutlich. Durch diese Neuerungen ergeben sich für alle Finanzinstrumente Anwendungs- und Auslegungsfragen. 

Die neue Klassifizierung gliedert sich in das Geschäftsmodell- und das Zahlungsstromkriterium. Ein finanzieller Vermögenswert wird zu fortgeführten Anschaffungskosten (AC) bilanziert, sofern er einerseits dem Geschäftsmodell „Halten“, d. h. mit dem Ziel der Vereinnahmung der vertraglichen Zahlungen bis zur Fälligkeit, zuzuordnen ist und andererseits das Zahlungsstromkriterium erfüllt. IFRS 9 sieht zusätzlich eine Bewertungskategorie vor, bei der finanzielle Vermögenswerte zum Fair Value mit Erfassung der Wertänderungen im sonstigen Ergebnis (FVtOCI) bilanziert werden, sofern das Zahlungsstromkriterium erfüllt ist und das Geschäftsmodell sowohl die Vereinnahmung der vertraglichen Zahlungen als auch Veräußerungen („Halten und Verkaufen“) vorsieht. Alle anderen Finanzinstrumente werden erfolgswirksam zum Fair Value (FVtPL) bewertet.

ABS-Konstruktionen sind i. d. R. dadurch gekennzeichnet, dass eine Zweckgesellschaft (SPV) Schuldverschreibungen unterschiedlicher Rangordnung zum Ankauf eines Kreditportfolios emittiert, deren Zins- und Tilgungsansprüche allein aus eintreffenden Cashflows des Portfolios beglichen werden können. Der Investor unterhält so eine indirekte Kreditbeziehung zu einem Pool von Schuldnern. Die Höhe des individuellen Kreditexposures zu einzelnen Teilen des Pools hängt vom Rang der jeweiligen Schuldverschreibung gegenüber den sonstigen Schuldverschreibungen des SPVs ab.

Das Geschäftsmodellkriterium wird für ABS analog zu anderen finanziellen Vermögenswerten angewendet. Sofern Kreditinstitute Verbriefungen aktiv durch Verkäufe abbauen ist eine Zuordnung zum Geschäftsmodell „Halten“ schwer möglich. In diesen Fällen erfolgt eine Bewertung zum Fair Value.

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 08/2018. Die Ausgabe ist seit dem 26. Oktober 2018 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autoren:
Dirk Auerbach, Partner, EY, Leader FSO Financial Accounting Advisory Services.
Markus Schupp, Senior Manager, EY, FSO Financial Accounting Advisory Services.

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