Aktienmärkte sind skeptischer als Konjunkturforscher

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06. September 2018
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Von Otmar Lang

Laut ifo Konjunkturprognose wächst die deutsche Wirtschaft im laufenden und im kommenden Jahr um 1,9 Prozent. Nachdem das ifo Institut im Juni seine Wachstumsprognose deutlich von 2,6 auf 1,8 Prozent heruntergeschraubt hatte, ist die aktuelle Korrektur aber nur Kosmetik. Zumal die Münchner Wirtschaftsforscher für 2020 auch von einer allmählich abschwächenden Konjunktur ausgehen.

Die Aktienmärkte hatten sich ohnehin schon deutlich früher skeptisch gezeigt als die ifo-Ökonomen. Seit dem 23. Januar liegt der DAX mit mehr als 11 Prozent im Minus, während der amerikanische S&P 500 gut 8,5 Prozent zulegen konnte (in Euro, inkl. Dividenden).

Neben der Zollthematik spielt vor allem die Gewinnentwicklung in den Unternehmen eine gewichtige Rolle: Lagen die Gewinnprognosen für die USA und Deutschland zu Beginn des Jahres mit 10 Prozent ungefähr gleichauf, haben sich die tatsächlichen Zuwächse in den USA mit über 20 Prozent mehr als verdoppelt. In Deutschland sowie auch in der Eurozone hingegen wachsen die Unternehmensgewinne mit 7 Prozent deutlich geringer als erwartet.

Auch wenn die Wirtschaftsforscher vom ifo Institut etwas optimistischer in die Zukunft blicken, bleibt die Gesamtstimmung an den Aktienmärkten verhalten. Der DAX startet auch heute wieder mit einem klaren Minus. Der anhaltende Rückgang beim OECD-Frühindikator und beim Einkaufsmanagerindex für Deutschland spricht ebenfalls eine eher ernüchternde Sprache. Daran wird auch die ifo-Prognose nichts ändern.

Es bleibt daher zu hoffen, dass sich die US-Wirtschaft weiterhin robust zeigt. Der jüngste US-Einkaufsmanagerindex hat entgegen den Erwartungen im August noch einmal zugelegt. Insofern steht einer weiteren US-Zinserhöhung im September nichts entgegen. Der US-Dollar dürfte in diesem Szenario weiter an Stärke gewinnen. Das wäre dann endlich auch eine gute Nachricht für den DAX.

Ein Marktkommentar von Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank, Düsseldorf.