Aktuelle Risiken für das EU-Finanzsystem identifiziert

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25. September 2017
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Redaktion RISIKO MANAGER

Der Gemeinsame Ausschuss der Europäischen Aufsichtsbehörden (EBA, EIOPA und ESMA - ESA) hat seinen aktuellen Bericht über Risiken und Schwachstellen im Finanzsystem der Europäischen Union veröffentlicht. Der Bericht unterstreicht die Risiken für die Stabilität des europäischen Finanzsektors in einem unsicheren politischen und wirtschaftlichen Umfeld, nicht zuletzt angesichts des Brexits. Der Ausschuss unterstreicht in seiner aktuellen Veröffentlichung auch das anhaltende Bewertungsrisiko mit einem unsicheren Ausblick auf Renditen und betont, dass die Finanzinstitute trotz der jüngsten Verbesserungen weiterhin den Herausforderungen der Profitabilität ausgesetzt sind. Darüber hinaus werden Regulierungs- und Aufsichtsinitiativen zur Überwachung und Abgrenzung der festgestellten Risiken vorgestellt.

Der Rückzug des Vereinigten Königreichs aus der EU
Die Unsicherheiten um den Brexit haben das Potenzial, die EU27 und das Vereinigte Königreich wirtschaftlicher Instabilität auszusetzen und das Vertrauen des Marktes zu schwächen – insbesondere wenn die Verhandlungen unangemessen enden. Eine solche Situation könnte zu Störungen des Rechtsrahmens für Finanzdienstleistungen und zur Kontinuität von Finanzverträgen zwischen Parteien in der EU27 und in Großbritannien führen.

Bewertungsrisiken im Zusammenhang mit einem unsicheren Ausblick auf Erträge
Das niedrige Zinsumfeld und die Suche nach Rendite bleiben bestehen – weiterhin in einem Umfeld von EU-Eigenkapital- und Immobilienpreisen auf hohem Niveau. Es wurden Anhaltspunkte für eine Umkehrung der Zinssätze und Risikoprämien festgestellt, da einige EU-Staatsanleihen und risikoarme Unternehmensrenditen zugenommen haben. Der Bericht weist darauf hin, dass plötzliche Renditensteigerungen die Rentabilität und die Solvenzposition von Finanzinstituten beeinträchtigen, eine substanzielle Portfolioumwandlung generieren und in breitere Vermögensmärkte übergehen können – was möglicherweise zu Mark-to-Market-Verlusten in Anlagepositionen führt. Im Versicherungssektor könnten einige negative Auswirkungen auf Vermögenswerte im Hinblick auf Solvency II durch positive Auswirkungen auf die Verbindlichkeiten überkompensiert werden.

Niedrige Profitabilität von Finanzinstituten
Die anhaltend geringe Rentabilität von Banken und Versicherern bleibt eine große Herausforderung, wenn auch einige jüngste Verbesserungen beobachtet wurden. Die Renditen der EU-Banken bleiben im Durchschnitt unterhalb der Schätzungen für die Eigenkapitalkosten. Fortsetzung des hohen Niveaus der notleidenden Kredite und der Notwendigkeit, Geschäftsmodelle anzupassen, einschließlich erheblicher Investitionsbedürfnisse an technologische Infrastrukturen, verschärfen die Profitabilitätsprobleme. Parallel dazu besteht die Überkapazität in vielen Bankenmärkten. Die Erreichung einer adäquaten Rentabilität ist nicht zuletzt wichtig, um Investoren an Instrumente anzuziehen, die für eine Verlustaufnahmekapazität in Frage kommen, die viele Banken noch aufbauen müssen. Der Bericht zeigt zudem, dass eine Kombination von niedrigen Erträgen, einem niedrigen Wirtschaftswachstum und einer niedrigen Vermögensqualität in einigen Ländern weiterhin die EU-Versicherer betrifft, da sowohl die Lebens- als auch die Nichtlebensversicherer zinsempfindlichen Vermögenswerten und Geschäftsmodellen ausgesetzt sind umfassen zinsempfindliche Produktlinien.

Schnelle Entwicklungen von FinTechs
Das rasche Wachstum von FinTech wirkt sich zunehmend auf den Finanzsektor aus. Es treibt Geschäftsmodelländerungen bei Finanzinstituten an, zieht neue Marktteilnehmer an und schafft Chancen, die Kosteneffizienz zu steigern, die Servicequalität zu verbessern und den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erweitern. Die ESAs beurteilen die Auswirkungen von FinTech auf die Geschäftsmodelle der Finanzinstitute und ihre strategische Antwort sowie auf die Überwachung und Regulierung. Sie haben Datenschutzerklärungen, potenzielle Kundendiskriminierung, Anfälligkeit für Cyberkriminalität und damit verbundene rechtliche Fragen unter den wichtigsten Risiken für Verbraucher und Finanzinstitute identifiziert. Darüber hinaus geben sie Empfehlungen und Ratschläge zu Themen wie Outsourcing zu Cloud-Service-Providern und Robo-Beratung. Der Bericht weist darauf hin, dass die jüngste Regulierungs- und Überwachungsüberwachung auch die Nutzung von Verbrauchsdaten und der "Big Data" -Analyse von Finanzinstituten umfasst.

Textquelle: EBA

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