Australien knöpft sich seine Finanzindustrie vor

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30. November 2017
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Von Robb M. Stewart

Die australische Regierung reagiert eine auf Reihe von Skandalen und knöpft sich die heimische Finanzindustrie vor. Eine Kommission werde das Verhalten der nationalen Banken, Finanzdienstleister, Versicherer und Pensionsfonds untersuchen und prüfen, ob die Regulierungsbehörden in der Lage seien, Fehlverhalten zu identifizieren und zu adressieren, sagte Premierminister Malcolm Turnbull. Die Kommission werde allerdings nicht den Kapitalismus vor Gericht stellen, auch wenn einige Parlamentarier dies gerne hätten, so Turnbull, und weiter: "Wir müssen verhindern, dass die Banken und unser Finanzdienstleistungssektor als politischer Fußball missbraucht werden." Australien habe eine der stärksten und stabilsten Banken-, Renten- und Finanzdienstleistungsindustrien der Welt.

Seit Monaten fordert Australiens wichtigste Oppositionspartei Labor Party eine Untersuchung zu den Vorwürfen von Verstößen in der Finanzindustrie. Es sollen falsche oder lückenhafte Beratungen vorgekommen sein, und Kunden sollen Versicherungsansprüche verwehrt worden sein. Zudem wird den Banken vorgeworfen, nicht ausreichend gegen Geldwäsche vorzugehen. Mitglieder der Regierungskoalition haben sich kürzlich auf die Seite der Opposition geschlagen. Einige drohten damit, eine Abstimmung über das Thema zu erzwingen.

Die vier größten Banken des Landes hatten ihren Widerstand gegen eine Untersuchung aufgegeben und in einem offenen Brief an die Regierung erklärt, die Unsicherheiten, ob es zu einer Untersuchung kommen werde oder nicht, hätten das Vertrauen der Auslandsinvestoren beschädigt. Die vier Banken – Australia & New Zealand Banking Group, Commonwealth Bank of Australia, National Australia Bank und Westpac Banking – gehören zu den profitabelsten Finanzinstituten der Welt. Wertmäßig machen sie etwa ein Drittel des australischen Aktienmarkts aus und sind für 80 Prozent der Kredite des Landes verantwortlich, die größtenteils an den internationalen Bondmärkten finanziert werden. Die Verantwortlichen bei den Banken hatten argumentiert, dass eine Kommission eine kostspielige und unnötige Ablenkung für eine Branche wäre, die bereits durch neue Technologien und globale wirtschaftliche Unsicherheiten herausgefordert werde. (DJN)

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