Auswirkungen von Basel III auf die mittelständische Finanzierung

-
21. November 2012
-
Von Stefan Hirschmann

Basel III wird die Banken vor erhebliche Anstrengungen stellen: Die Liquiditätsvorschriften zwingen die Institute in liquidere und damit weniger ertragsstarke Anlagen, und die Beschränkung der Fristentransformation verteuert die eigene Finanzierung der Banken. Die Kreditinstitute müssen mehr und qualitativ hochwertigeres Eigenkapital vorhalten und verzinsen.

DÜSSELDORF, 20.11.2012. Basel III wird die Banken vor erhebliche Anstrengungen stellen: Die Liquiditätsvorschriften zwingen die Institute in liquidere und damit weniger ertragsstarke Anlagen, und die Beschränkung der Fristentransformation verteuert die eigene Finanzierung der Banken. Die Kreditinstitute müssen mehr und qualitativ hochwertigeres Eigenkapital vorhalten und verzinsen. Die Leverage Ratio kann zudem die Geschäftsmöglichkeiten begrenzen. Insgesamt gilt: Banken müssen in Zukunft noch stärker auf risikogerechte Zinsen für Kredite achten. Sie werden versuchen müssen, die sich abzeichnenden Kostensteigerungen durch die erhöhte Eigenkapitalunterlegung und die verteuerte Refinanzierung weiterzugeben. In welchem Maße das gelingt, hängt stark vom Wettbewerb ab. Unmittelbar nach der Krise sind die Margen ? risikobedingt ? leicht gestiegen; die jüngsten Entwicklungen zeigen eher wieder in die Richtung nicht auskömmlicher Margen. Somit wirkt Basel III zwar nicht direkt, wohl aber mittelbar auf die Finanzierungssituation von Unternehmen. Vor allem mittelständische Kunden werden sich anpassen müssen. Das fällt nicht immer leicht. Bereits die Regelungen nach Basel II haben bei manchen Unternehmern zu Unverständnis geführt, weil die Kommunikation zwischen Bank und Kreditnehmer intensiviert wurde. Dennoch war schon Basel II durchaus erfolgreich, zumal mittelständische Unternehmen ihre Eigenkapitalsituation in den Krisenjahren 2008 und 2009 nachhaltig verbessert werden. ?Noch ist die durchschnittliche Eigenkapitaldecke allerdings nicht ausreichend?, sagt Prof. Dr. Helmut Rödl (Foto), Aufsichtsratsvorsitzender der Creditreform Rating AG. Basel III verändere nun abermals die Ausgangssituation. Eine bonitätsbezogene Kreditvergabe führe tendenziell zu einer Reduzierung von Bankkrediten und zu einer Ausweitung von Lieferantenkredite. In der Konsequenz bleiben gute Risiken bei der Bank, schlechte Risiken suchen verstärkt die Finanzierung über den Lieferantenkredit. Da die Eigenkapitalunterlegung stark vom Risiko des Kredits abhängig ist, ist die Senkung des Kreditrisikos eine wichtige Strategie der Banken. Für die Unternehmen kann das bedeuten, dass Banken künftig noch mehr Sicherheiten oder eine bessere Eigenkapitalausstattung vom Unternehmen fordern werden. Das Thema Kreditsicherheit bleibt somit von zentraler Bedeutung, hinzu kommen gestiegene Kreditzinsen sowie eine intensivere Kreditprüfung. Für Banken werde das Kreditgeschäft überproportional teurer, prognostiziert Rödl. Eine weitere Anpassung könnte sich bei den Kreditlinien ergeben, die bereits heute ? je nach Ausgestaltung ? mit Eigenkapital zu unterlegen sind. Hier ist denkbar, die Zusagen stärker an der Ausnutzung zu orientieren oder für nicht gezogene Linien höhere Bereitstellungsentgelte zu verlangen. Die Einschränkung des Kreditvolumens ist per se keine sinnvolle Strategie, denn mit weniger Geschäft kann man keine höheren Erträge erzielen. Sie wird aber ? bis hin zum Rückzug aus dem Kreditgeschäft ? für jedes Kreditinstitut eine Option bleiben, wenn sich keine nachhaltigen, dauerhaft auskömmlichen Zinsen im Kreditgeschäft erzielen lassen.

Bei den Finanzierungsquellen der kleinen und mittleren Unternehmen dominieren traditionelle Finanzierungsmuster. Neben der Selbstfinanzierung bleibt vor allem der Bankkredit das am intensivsten genutzte Finanzierungsinstrument. Ein wichtiger Baustein für die Kreditvergabe ist deshalb die Kommunikation zwischen Unternehmern und ihren Kapitalgebern. Je klarer und offener der Austausch zwischen den Geschäftspartnern, desto solider und vertrauensvoller ist die Zusammenarbeit. Gemäß einer aktuellen Konjunkturumfrage von Creditreform haben neben dem klassischen Bankkredit vor allem Lieferantenkredite an Bedeutung gewonnen. Deren sinnvoller Einsatz setzt jedoch voraus, dass die Unternehmen selbstständig Risiken identifizieren, richtig einschätzen und Bonitäten ihrer Geschäftspartner bewerten können. ¨Dadurch erfolgt eine Risikoverlagerung auf den Unternehmenskredit¨, so Rödl vor Mitgliedern des Bundesverbands Credit Management (BvCM) in Düsseldorf. Die Schere zwischen kurzfristigen Bankkrediten und Lieferantenkrediten gehe weiter auseinander. Unternehmen hätten sich allein im Jahr 2010 mit 365 Mrd. EUR gegenseitig finanziert. Für das Rating des kreditgebenden Unternehmens sei daher ein effizientes Kreditmanagement von zentraler Bedeutung. Eine Analyse der Insolvenzen im ersten Halbjahr 2012 hat gezeigt, das vor allem Unternehmen in mittlerer Unternehmensgröße verstärkt betroffen sind. Die durchschnittliche Schadensumme pro Insolvenzfall ist zuletzt merkbar angestiegen, in Summe auf ca. 5 Mrd. EUR. Für das Gesamtjahr rechnet Creditreform mit einem leichten Anstieg auf 15.200 Firmenpleiten im Jahr 2012. Neben Ertrags- und Vermögenslage, Strukur- und Branchenrisiken spiele somit auch das interne Risikomanagement eine tragende Rolle, sagt Rödl. Ein funktionierendes Debitorenmanagement und Credit Management führe zu einer positiven Wahrnehmung im Rahmen der Finanzkommunikation. Auf der anderen Seite seien auch eine höhere Informationsbereitschaft der Kunden gegenüber ihren Lieferanten sowie ein höheres Verständnis für Kreditprüfungen und Limite erforderlich.

?Eine Basel-III-induzierte Kreditklemme bleibt trotzdem unwahrscheinlich?, sagt Rödl. Vielmehr seien vor allem mittelständische Unternehmen im Grunde genommen risikoarm. Das Ausfallrisiko in diesem Segment liege unterhalb von einem Prozent. Wichtiger sei, dass Unternehmer die Spielregeln des Finanzmarktes sowie Funktionsweisen und Mechanismen von Kreditinstituten verstehen und nachvollziehen. Dies gelte auch für interne und externe Ratingverfahren. Als gravierendes Desiderat nennt Rödl eine einheitliche Nomenklatur bei der Bonitätsbewertung, die eine Vergleichbarkeit von Ratings ermöglicht. Eine offene Kommunikation, insbesondere auch der bankinternen Ratings, sei deshalb von großer Bedeutung. Auf Seiten der Unternehmen müssten vor allem die Entwicklung des Eigenkapitals sowie Bonitätsnoten im Blick behalten, die Finanzkommunikation intensiviert, das Kreditmanagement forciert und das Zahlungsverhalten der Kunden überwacht werden. Vor diesem Hintergrund dürfte auch vor Basel III keinem Betrieb bange werden.

 

Foto: Bernd Schaller (Bank-Verlag)