BaFin unterstützt interne Modelle zur Risikomessung

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15. August 2017
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Von Stefan Hirschmann

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin unterstützt die Implementierung interner Modelle zur Risikomessung in Banken und Versicherungen. „Interne Modelle sind die Königsklasse eines fortgeschrittenen Risikomanagements und unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Aufsichtsregimes“, so BaFin-Exekutivdirektor Dr. Frank Grund im aktuellen BaFin-Journal August 2017. Die Aufsicht hätte innerhalb der Assekuranz viele und durchweg gute Erfahrungen gemacht. Interne Modelle ermöglichten es noch besser als die Standardformel, die individuellen Risiken der Versicherungsunternehmen aufzuzeigen. Auf das Phänomen der negativen Zinsen beispielsweise könne man so viel besser eingehen. Zwar sei der Prozess für Unternehmen und Aufsicht sehr aufwändig, so Grund weiter, aber der Mut zu einem fortgeschrittenen Risikomanagementansatz mache sich bezahlt.

Versicherer, die unter das Aufsichtsregime Solvency II fallen, müssen – abhängig von ihren Risiken und ihrer Risikotragfähigkeit – bestimmte Eigenmittel vorhalten. Um deren Höhe zu ermitteln, haben sie die Solvenzkapitalanforderung zu berechnen. Dazu können sie entweder die Standardformel nutzen, die fest vorgegeben ist, oder ein internes Modell. Im Gegensatz zur Standardformel werden interne Modelle von den Unternehmen selbst entwickelt und sind somit auf deren individuelle Gegebenheiten zugeschnitten. Von den mehr als 300 deutschen Solvency-II-Unternehmen verwenden derzeit nur 36 ein internes Modell. Dabei handelt sich allerdings überwiegend um sehr große Unternehmen, die zusammen rund 50 Prozent des deutschen Versicherungsmarkts ausmachen. Interne Modelle fordern permanente Anpassungen – sei es aufgrund von Änderungen der Geschäftstätigkeit, sei es aufgrund äußerer Umstände oder durch die technische Weiterentwicklung des Modells. „Die BaFin wird sich darum auch weiterhin intensiv mit internen Modellen befassen müssen. Aber diese intensive Arbeit lohnt sich“, sagt Grund. Unternehmen mit internen Modellen könnten ihr Risikoprofil und ihr Risiko- und Kapitalmanagement viel besser aussteuern als bei der Standardformel und im Zweifel entsprechend zielgerichteter handeln. Die intensive Beschäftigung mit diesen Modellen führt dazu, dass mögliche Risiken und Gegenmaßnahmen viel besser identifiziert werden.

Einen Missbrauch des internen Modells zur reinen Kapitaloptimierung vor sieht die BaFin nicht. „Das schließe ich nicht aus. Aber wir sind sicher, dass wir solche Tendenzen durch die laufende Aufsicht über die Modelle im Griff haben“, so Grund. Ergänzend zum Standardreporting wurde in Deutschland – anders als in anderen Ländern der EU – ein dezidiertes Berichtswesen für interne Modelle aufgesetzt. Europaweit spiele hier die EIOPA die Hauptrolle, die sicherstellen muss, dass die aufsichtlichen Prinzipien europaweit gleich angewandt werden. Das sei auch deswegen so wichtig, weil einige Aufsichtsbehörden, in denen grenzüberschreitende Gruppen tätig sind, mit der Prüfung interner Modelle Neuland betreten. Vom Nutzen interner Risikomodelle scheint die BaFin jedenfalls überzeugt: „Ich glaube nicht, dass irgendeines der Unternehmen, die heute ein internes Modell nutzen, jemals wieder davon abrücken wird. Ihr Erkenntnisgewinn und ihre Steuerungsfähigkeit sind dank der Modelle so stark gewachsen, dass sie nicht mehr darauf verzichten können. Das gilt vor allem für die großen, internationalen Versicherungskonzerne“, weiß Grund.

Artikelbild: ©agafapaperiapunta / iStockphoto.com
Textquelle: BaFin-Journal August 2017