BaFin will Risikosensitivität erhalten

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22. September 2017
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Von Hans Bentzien

Nach Ansicht der Finanzaufsicht BaFin sind nichtrisikosensitive Limits nur als äußerste Leitplanke und Ergänzung zu risikosensitiven Anforderungen und einem funktionierenden Risikomanagement sinnvoll. Banken sollen deshalb mit eigenen Modellen ihre Kreditrisiken berechnen dürfen.

Der Chef der Bundesanstalt für Finanzdiensteistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld (Foto), hat erneut vor einer zu starken Vereinfachung bei der Bemessung von Eigenkapitalanforderungen an Banken gewarnt. Bei einer Tagung der Deutschen Bundesbank in Frankfurt sagte Hufeld, bei der Vollendung der Eigenkapitalrichtlinie Basel III dürfe es nicht dazu kommen, dass die von den Banken eingegangenen Risiken eine zu geringe Rolle spielten. Derzeit wird im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht weiter darüber gestritten, in welchem Maße Banken ihre Risiken künftig noch selbst mit internen Modellen errechnen dürfen. Der Ausschussvorsitzende Stefan Ingves will sowohl den Einsatz dieser Modelle selbst stark einschränken als auch den daraus zu ziehenden Nutzen über "Output Floors" stark begrenzen. Dem stellt sich die deutsche Seite entgegen.

Im Zentrum des Streits steht die Frage, welche Kreditrisiken Banken mit eigenen Modellen berechnen dürfen und wie stark das dabei ermittelte Ergebnis von dem eines Standardmodells nach unten abweichen darf (Output Floor). In Europa, darunter in Deutschland, sind diese Modelle weit verbreitet, in den USA nicht. „Wenn wir diesen Floor zu hoch ansetzen, erdrosseln wir jede Risikosensitivität, und das wäre ausgesprochen schädlich“, sagte Hufeld in Frankfurt. Den Kritikern der Risikosensitivität sei gemein, dass sie diese faktisch eliminieren und pauschale Limits wie die Leverage Ratio oder Output Floors zum zentralen Aufsichtsinstrument für die Steuerung der Kapitalvorgaben machen wollten. „Nichtrisikosensitive Limits sind sinnvoll – als äußerste Leitplanke und Ergänzung zu risikosensitiven Anforderungen und einem funktionierenden Risikomanagement“, sagte Hufeld.

Aber als alleiniges oder primäres Instrument der Kapitalsteuerung taugten pauschale Limits dieser Art nicht, denn sie verringerten Risiken nicht, sie vermehren sie – erst recht, wenn man die Limits in extreme Höhen schraubt. Auch wenn der Zeitgeist derzeit Simplifizierung verlange, komplexe Risiken ließen sich nicht auf eine Zahl reduzieren. „Das werden wir auch beherzigen müssen, wenn wir über den Umgang mit internen Modellen in der Versicherungsregulierung diskutieren“, sagte Hufeld.