BCBS 355: Überarbeitung der OpRisk-Standardansätze

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06. April 2016
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Von Stefan Hirschmann

Am 4. März hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) ein zweites Konsultationspapier zur Überarbeitung der Standardansätze zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für operationelle Risiken vorgelegt (BCBS 355). Darin sind wesentliche Kritikpunkte am 1. Konsultationspapier (BCBS 291) berücksichtigt worden, u.a. eine geschäftsdiskriminierende Eigenkapitalunterlegung in Bezug auf das Leasinggeschäft und Gebühreninstitute (z.B. Wertpapierhandelsbanken). An dem Konzept des Business Indikators (BI) hält der Baseler Ausschuss fest, nimmt aber Anpassungen in den einzelnen Komponenten vor.

Das Leasinggeschäft findet im Rahmen einer Nettobetrachtung Eingang in den BI. Die Servicekomponente soll darüber hinaus einem Maximalansatz folgen, der einen Verzicht auf die Bruttobetrachtung der Erträge und Aufwendungen enthält. Zusätzlich zum BI soll eine Verlustdatenkomponente eingeführt werden, die auf den internen Verlusterfahrungen des jeweiligen Instituts beruht. Damit soll für mittlere und größere Institute die Risikosensitivität des SMA erhöht werden. Zudem bekräftigt das Konsultationspapier noch einmal die Abschaffung des fortgeschrittenen Messansatzes (AMA) und einer Vielzahl von Standardansätzen zugunsten des neuen Standardised Measurement Approach (SMA).

Alle Problemfelder sind damit jedoch nicht beseitigt. „Die Abschaltung des AMA führt bei den AMA-Banken mitunter zu höheren Eigenkapitalanforderungen bei der Umstellung auf einen Standardansatz“, sagt Jörg Ortgies vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). Darüber hinaus seien die Auswirkungen auf die Säule II der Bankenaufsicht derzeit noch nicht absehbar. Die Risikosensitivität solle durch Einführung einer Verlustkomponente erhöht werden; allerdings ausschließlich unter Verwendung historischer Daten. „Dies ist nicht zukunftsgerichtet“, so Ortgies im Rahmen der 4. Bankenaufsichtskonferenz in Köln.

Ein genauer Zeitplan für die Umsetzung von BCBS 355 soll im Laufe des Jahres veröffentlicht werden. Zur endgültigen Kalibrierung der Eigenkapitalanforderung soll eine Quantitative Impact Study (QIS) durchgeführt werden. Nach den Aussagen des BCBS sollen die Kapitalanforderungen für operationelle Risiken insgesamt nicht wesentlich steigen.