BCBS d368: Zinsänderungsrisiken im Bankbuch

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22. April 2016
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Von Stefan Hirschmann

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat seine überarbeiteten Prinzipien zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch (IRRBB, BCBS d368) vorgestellt, die zunächst große, international tätige Banken adressieren, aber als Standard zu verstehen sind und somit eine Ausweitung auf andere Kreditinstitute wahrscheinlich erscheinen lassen. Ziel ist, eine Kapitalarbitrage durch Umwidmungen von Positionen zwischen Anlage- und Handelsbuch zu unterbinden und eine größere Konsistenz, Transparenz als auch Vergleichbarkeit für Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch innerhalb des Bankensystems herzustellen.

Die Neuerungen sollen von den Instituten bis 2018 umgesetzt werden. BCBS d368 enthält u.a. die Konstruktion von Zinsschock-Szenarien als ein wesentliches Element. Dazu gehören etwa einheitliche Vorgaben zum Stress des risikolosen Zinses, diverse Szenarios für die Parallelverschiebung Drehung u.a.m. sowie Ansätze zur Ermittlung der künftigen Eigenkapitalanforderungen.

Die Mehrzahl der Banken lehnt den regulatorischen Vorstoß des Baseler Ausschusses bislang vehement ab. Aufgrund der Spezifika des deutschen Finanzsystems ist diese Risikoart in jüngerer Vergangenheit – im Gegensatz zum anglo-amerikanischen Finanzsystem – bei keinem deutschen Kreditinstitut schlagend geworden. Zudem hat die Finanzkrise nach Ansicht der deutschen Kreditwirtschaft gezeigt, wie vorteilhaft es war, dass sich bisher keine einheitlichen Standards zum Management von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch herausgebildet haben, da eine optimale Zinsrisikosteuerung auf das individuelle Geschäftsmodell eines Instituts abgestimmt sein muss. Diesem Aspekt dürfte auch das jetzige vom BCBS vorgeschlagene standardisierte Verfahren kaum Rechnung tragen.

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