BDI erwartet weiter rauen Gegenwind aus Washington

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07. November 2018
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Redaktion RISIKO MANAGER

Bei den Kongresswahlen in den USA haben die Demokraten eine Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert, während die republikanische Partei von Präsident Donald Trump im Senat die Oberhand behält. Kommentare und Einschätzungen dazu aus Politik, Wirtschaft und von Ökonomen.

Außenminister Maas: Kaum Veränderungen im Verhältnis zu den USA

Die Zwischenwahl in den USA schlägt sich nach Einschätzung von Außenminister Heiko Maaß "für uns nicht allzu sehr in Veränderungen" nieder. Man müsse bei der Betrachtung der Zusammenarbeit realistisch bleiben: "In den letzten zwei Jahren haben sich die Gewichte in der Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten auf absehbare Zeit verschoben". Daran werde das Wahlergebnis nichts ändern. 

Auf die Devise "America first" müsse auf dieser Seite des Atlantiks die Antwort "Europe united" gegeben werden, bekräftigte der SPD-Politiker. "Wir müssen uns als Europäer noch enger zusammenschließen. Das bedeutet auch, mehr in unsere eigene Handlungsfähigkeit zu investieren." Das gelte bei der Abwehr von Strafzöllen ebenso wie in Sicherheitsfragen oder im Kampf gegen den Klimawandel. "Mit Washington brauche wir deshalb auch nach diesen Wahlen einen offenen und intensiven Austausch."

IfW-Präsident Snower erwartet Blockade der Regierungspolitik

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, rechnet mit Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump. "Dieses Ergebnis bedeutet, dass es zu einer stärkeren Blockade der Regierungspolitik kommen wird", erklärte der aus den USA stammende Ökonom. Diese könne abgemildert werden, würden gemäßigte Republikaner eine stärkere Stimme in ihrer Partei erhalten. "Da die Demokraten das Repräsentantenhaus kontrollieren, wird Trump die US-Wirtschaft nicht durch zusätzliche wirtschaftspolitische Schritte überhitzen können", so Snower. Er dürfte auch größere Schwierigkeiten haben, "andere, schwächere Länder dazu zu bringen, den USA bessere Handelsabkommen zu gewähren, und Einwanderer genauso hart wie bisher zu behandeln."

Fratzscher sieht Zwischenwahlen als Anfang vom Ende Trumps

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, bewertet den Wahlausgang in den USA als Anfang vom Ende Donald Trumps. "Das Ergebnis der US-Wahlen ist positiv für die USA und für die Welt. Die Wahrscheinlichkeit einer Wiederwahl Donald Trumps in zwei Jahren ist dadurch deutlich gesunken", erklärte der Ökonom. Die US-Wirtschaft laufe gut nicht wegen, sondern trotz Trumps Wirtschaftspolitik. Die Staatsverschuldung steige und wichtige Reformen würden verschleppt.

Berenberg: Wahlergebnis für Märkte komfortabel

Als positiv für die Finanzmärkte schätzt Berenberg das Wahlergebnis in den USA ein. Das relativ gute Abschneiden der Republikaner im Senat dämpfe die Sorgen vor einem Linksruck und vor einem Zurückdrehen der wirtschaftsfreundlichen Politik, heißt es in einer Einschätzung des Hauses. Trump werde seine Deregulierungs-Agenda nun weiter vorantreiben. Die US-Wirtschaft werde im kommenden Jahr um 2,8 Prozent wachsen und im übernächsten Jahr um 2,4 Prozent, beide Schätzungen liegen über Konsens. Die Handelspolitik werde sich nicht stärker verändern.

DIHK erwartet nach Midterms keine Abkehr von US-Handelspolitik

Der Ausgang der Zwischenwahlen in den USA wird nach Einschätzung von DIHK-Präsident Eric Schweitzer keine Änderung des protektionistischen Kurses von US-Präsident Donald Trump bringen. "Insgesamt stehen die Zeichen für das Thema Handelspolitik und die Sanktionen der Vereinigten Staaten von Amerika nicht auf Abkehr vom bisherigen Kurs", erklärte er am Mittwoch in Berlin. Der Wahlausgang in den USA zeige, dass Trumps Politik auch im eigenen Land nicht unumstritten sei. Nach dem Ausgang der Wahl sei immerhin zu erwarten, dass die innenpolitische Auseinandersetzung zu den auch für die deutsche Wirtschaft so wichtigen Themen Handelskonflikt mit China, Strafzölle und WTO wieder kontroverser werde. "Das ist ein kleines Zeichen von Hoffnung", meinte Schweitzer.

AGI: Konsum nach Wahl positiv - Defensives und Pharma negativ

Allianz Global Investors (AGI) sieht in dem Ergebnis der US-Zwischenwahlen keine großen Überraschungen. "Die Chancen für weitere Steuerreform-Maßnahmen und Deregulierung sind gering", sagt Mona Mahajan, US-Strategin des Hauses, zu den Folgen. Im Handelsstreit dürften die Demokraten dagegen wenig Einfluss haben.

Mit Blick auf die Branchen sagt Mahajan, sowohl Donald Trump als auch die Demokraten wollten die Medikamentenpreise senken. Das sei ein Nachteil für die Pharmaindustrie, aber positiv für den privaten Konsum. Um Zustimmung für die geplanten Ausgaben zu erhalten, müsse Trump nun voraussichtlich Kompromisse eingehen, zum Beispiel über weniger Verteidigungsausgaben.

Die Aktienmärkte insgesamt dürften aber weiterhin vom Fiskalstimulus, der guten Konjunktur und anhaltend guten Unternehmensergebnissen profitieren, so Mahajan. Daneben sei ein gewisser Abwärtsdruck auf den Dollar zu erwarten, der die Schwellenländer stützen dürfte.

BDI erwartet weiter rauen Gegenwind aus Washington

Die deutsche Industrie rechnet durch den Wahlausgang in den USA mit keiner Verbesserung im Handelskonflikt. "Wir haben wenig Zuversicht, dass sich an der protektionistischen Ausrichtung der amerikanischen Handelspolitik etwas ändern wird. Viele Demokraten unterstützen die Handelsagenda des Präsidenten", bedauerte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf. Die Unternehmen müssten sich weiter auf einen rauen Gegenwind einstellen. Es sei nur eine Frage der Zeit, "bis die Strafzölle der US-Regierung auf die heimische Konjunktur negativ durchschlagen".

BNY Mellon: Nach Wahlen Märkte kurzfristig volatil

Die Bank of New York Mellon warnt nach den US-Wahlen vor einer kurzfristig hohen Volatilität an den Märkten. "Die Untersuchungsverfahren gegen US-Präsident Trump rücken nun stärker in den Fokus", sagt John Bailer, Fondsmanager des Hauses. Allerdings sollten sich die Kurse schnell von den erwarteten Turbulenzen erholen. Denn die Fundamentaldaten der Unternehmen dürften solide bleiben und die Bewertungen seien attraktiv. Aussichtsreich seien unter anderem Finanztitel mit ihrem hohen Dividendenwachstum.

Ifo-Chef: Schuldenfinanzierter US-Boom könnte schneller abebben

Der Gewinn des Repräsentantenhauses durch die Demokraten könnte nach Ansicht von Ifo-Chef Clemens Fuest den durch Staatsschulden getriebenen Boom in den USA dämpfen. "Erstens wird Trump weitere Steuersenkungen, die er plant, nicht durchsetzen können. Zweitens muss im März 2019 die Obergrenze für die Staatsschulden erhöht werden", erklärte Fuest. Dafür müsse er den Demokraten etwas anbieten. Zwar könnte ein Programm für die marode Infrastruktur beide politischen Lager einen, "aber einen solchen Erfolg werden die Demokraten Trump kaum gönnen, deshalb wird das wohl nichts", erwartet der Wirtschaftsprofessor. (DJN)

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