Best Practice des RepRisk-Managements

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25. September 2013
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Von Michael Haackert, Maria R. Hemmerich, Thomas Kaiser u.a.

Viele Unternehmen sind dabei, ihr Reputationsrisiko-Management auf- bzw. auszubauen. Bislang gibt es hierfür noch keine etablierten Marktstandards. Aus den Reihen des 2012 gegründeten RepRisk-Forums ist in diesem Kontext ist ein Beitrag für die Zeitschrift RISIKO MANAGER entstanden, der aktuelle Überlegungen und Umsetzungsansätze zum Thema RepRisk-Management bei deutschen Finanzdienstleistern darstellt.

KÖLN, 25.9.2013. Viele Banken und Versicherungen sind dabei, ihr Reputationsrisiko-Management auf- bzw. auszubauen. Bislang gibt es hierfür noch keine etablierten Marktstandards. Im Rahmen des im Februar 2012 gegründeten RepRisk-Forums, das zwischenzeitlich als Veranstaltung des German Chapter des Institute of Operational Risk fortgeführt wird, tauschen sich Vertreter führender Banken und Versicherungen hinsichtlich ihrer Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema aus. In diesem Kontext ist ein Beitrag für die Zeitschrift RISIKO MANAGER entstanden, der aktuelle Überlegungen und Umsetzungsansätze zum Thema Reputationsrisiko-Management bei deutschen Finanzdienstleistern darstellt.

Definitionen und Abgrenzungen
Grundlage des Reputationsrisiko-Managements bei Finanzdienstleistern ist eine klare Definition des Reputationsrisikos (RepRisk) aus der hervorgeht, welche Schadenpotenziale der jeweilige Finanzdienstleister in das RepRisk mit einschließt. Das RepRisk beinhaltet grundsätzlich immer einen Vertrauensverlust der Anspruchsgruppen (Stakeholder) gegenüber dem jeweiligen Finanzdienstleister. Mit der Definition sollten zusätzlich folgende Inhalte klar und zweifelsfrei einhergehen:

? Beschreibung, welche Stakeholder als wesentlich betrachtet werden.

o Kriterien für die Wesentlichkeit einer Anspruchsgruppe sind intern festzulegen.

o Beispiele für Stakeholder sind: Kunden, Mitarbeiter, Geschäftspartner, Investoren, Gläubiger, Aufsicht, Ratingagenturen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Sonstige.

o Die Stakeholder sollten dabei weiter spezifiziert werden, wenn die resultierenden Untergruppen wesentlich sind.

? Kategorisierung der möglichen relevanten Ursachen für das RepRisk, wobei Risikoursachen überschneidungsfrei zu kategorisieren sind.

? Festlegung, welche Auswirkungen im Zusammenhang mit RepRisk betrachtet werden und damit als mögliche Reputationsschäden definiert werden (beispielsweise sinkender Unternehmenswert oder Börsenkurs, Rückgang (zukünftiges) Geschäftsvolumen, P&L-Effekt etc.).

? Beschreibung, auf welche Unternehmensteile sich die Definition bezieht (nur Mutterunternehmen, Gesamtkonzern etc.).

? Klarstellung, ob nur negative Veränderungen im Vertrauensverhältnis oder auch positive Änderungen im Vertrauensverhältnis gegenüber den Anspruchsgruppen Berücksichtigung finden sollen.

Abgrenzung zu anderen Risikoarten
RepRisk entsteht einerseits als eigenständige Risikoart (primäres RepRisk) oder als mittelbare oder unmittelbare Folge anderer Risikoarten wie Markt-, Kredit-, Liquiditäts- und operationelle Risiken (sekundäres RepRisk). Außerdem kann der Reputationsverlust wiederum die Ursache für ein Folgerisiko bei anderen Risikoarten (insbesondere Liquiditäts- und Geschäftsrisiko) sein.
Das sekundäre RepRisk kann durch Ereignisse aus anderen Risikoarten entstehen. Aufgrund der Wechselwirkungen zwischen den Risikoarten ist eine Abgrenzung notwendig:

Kernelement des RepRisk ist immer der Vertrauensverlust der Anspruchsgruppen Nur wenn der Vertrauensverlust selbst zu einem Reputationsschaden geführt hat, handelt es sich um ein RepRisk-Ereignis mit dem dazu gehörigen Verlust. Bei großen Verlusten aus den gängigen Finanzrisiken kann allein die Größe des Verlustes zu einem Vertrauensschaden führen. Einige Institute haben  hierfür eine Schwellengrenze definiert.

? Abgrenzung zum Markt- / Kreditrisiko
Bei der Bewertung des (sekundären) RepRisk aus Markt- und Kreditrisiken sind die primären Verluste (also beispielsweise Handelsverlust oder Kreditausfall), nicht in das RepRisk einzubeziehen. Sofern hohe Verluste aus dem Markt- oder Kreditrisiko jedoch zu negativen Reaktionen der Stakeholder (beispielsweise Kundenabwanderungen, erhöhte Refinanzierungskosten) führen, sind diese Risiken zu betrachten.

? Abgrenzung zum operationellen Risiko
Ähnlich erfolgt die Abgrenzung zum operationellen Risiko (OpRisk): Sofern sich ein Verlust / Schaden unmittelbar und zweifelsfrei aus der Unangemessenheit oder dem Versagen von internen Verfahren und Systemen, Menschen oder infolge von externen Ereignissen ergibt, handelt es sich um ein OpRisk. Sollte ein solches Ereignis entweder aufgrund der dargestellten Ursachen oder aufgrund des dadurch verursachten Verlustes eine Einschränkung im Vertrauen der Stakeholder nach sich ziehen, handelt es sich, bei den aus diesen Vertrauensverlusten resultierenden Schäden, um Reputationsschäden.

? Abgrenzung zum Liquiditätsrisiko
Die Abgrenzung zum Liquiditätsrisiko gestaltet sich aufgrund der Vielfalt von Markteinflüssen schwierig. Jeder Finanzdienstleister sollte festlegen, welche Kriterien dafür entscheidend sind, ob ein Mehraufwand bei der Refinanzierung eher dem reinen Liquiditätsrisiko oder dem RepRisk zugeordnet werden muss.
Aufgaben des RepRisk-Managements in Abgrenzung zum Reputationsmanagement

Durch das Reputationsmanagement erfolgt die langfristige Reputationsbildung des Finanzdienstleisters und definiert damit u.a. die Erwartungshaltung der Stakeholder. Unternehmen versuchen seit langem ihre Reputation durch bestehende Abteilungen (beispielsweise Marketing oder Vertriebsdivisionen) zu managen. Hierbei muss beachtet werden, dass jeder Mitarbeiter die Reputation des Unternehmens durch sein Verhalten im Geschäfts- und Privatleben beeinflusst. Das Reputationsmanagement wird hier nicht als Teil des Reputationsrisiko-Managements gesehen und ist somit nicht Gegenstand der weiteren Ausführungen.

Das RepRisk-Management hingegen dient der proaktiven Steuerung der Risiken. Es stellt Methoden bereit, die erlauben, RepRisk zu erkennen, zu bewerten und langfristig zu steuern. Ist ein Ereignis eingetreten, das unter Umständen begleitet von hoher Medienaufmerksamkeit  zu einem Reputationsereignis führen kann, erfolgt eine eher kurzfristig ausgerichtete Abmilderung durch das (?)

 
[Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 20/2013. Die Ausgabe ist ab 4. Oktober 2013 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

  

Autoren:
Dr. Michael Haackert, Maria Rosa Hemmerich, Prof. Dr. Thomas Kaiser, Petra Merl, Dr. Henrik Pontzen und Rainer Sprengel.

 

Der Beitrag wurde von einzelnen Mitgliedern des IOR RepRisk Forums verfasst. Das Papier reflektiert die persönlichen Meinungen dieser Personen und nicht notwendigerweise die Sicht der jeweiligen Arbeitgeber.

 

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