Branchenrisiko Lebensversicherung: Der Druck steigt

-
11. Januar 2017
-
Von Stefan Hirschmann und Roger Thiel

Das Zinstief setzt Deutschlands Finanzbranche immer stärker zu. Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Felix Hufeld, bescheinigt Banken und Versicherern zwar, insgesamt für eine fortdauernde Zinsdurststrecke gewappnet zu sein. Das gilt jedoch nicht unbedingt für einige Lebensversicherer.

Das anhaltende Niedrigzinsniveau belastet in zunehmendem Maße auch die deutschen Lebensversicherer sowie Pensionskassen und Bausparkassen. Sehr langfristig ausgerichtete Geschäftsmodelle stehen dabei besonders unter Druck. Zwar haben sich Deutschlands Lebensversicherer im Großen und Ganzen für eine fortdauernde Zinsdurststrecke gerüstet, ihre Eigenkapitalbasis gestärkt, die Überschussbeteiligung gesenkt und Produkte mit neuen Garantieformen entwickelt, aber das Branchenrisiko ist unterm Strich dennoch merkbar gestiegen. „Der Druck steigt“, so BaFin-Präsident Felix Hufeld im Rahmen des Neujahrspresseempfangs der Finanzaufsicht in Frankfurt am Main. Mancher Eigentümer werde sich darauf einstellen müssen, das Eigenkapital seines Unternehmens stärken zu müssen. Gepaart mit einer immer komplexeren Regulierung und zunehmender Digitalisierung entstünden Risiken, die Aufseher und Regulierer aus der Reserve lockten. „Wir bewegen uns zunehmend im Modus der intensivierten Aufsicht“, so Hufeld.

Mit fortschreitender Dauer bilde sich das Niedrigzinsumfeld aber auch in den Büchern der Banken immer deutlicher ab. Die Kapitalausstattung deutscher Institute sei vergleichsweise gut – noch. Je länger die Zinsen auf niedrigem Niveau verharren, desto mehr müssen sich die Institute anstrengen, um auf lange Sicht profitabel zu wirtschaften und ein ausreichendes Kapitalpolster zu erhalten. „Gefordert sind vor allem die Häuser, die in erster Linie im Einlagen- und im Kreditgeschäft aktiv sind“, sagt Hufeld. Je länger die Zinsen niedrig bleiben, desto größer wird für Banken und Versicherer das Zinsänderungsrisiko. Das umso mehr, als in Zeiten wie diesen Banken dazu neigen, langfristige Darlehen zu akzeptieren, und Versicherer dazu tendieren, in extrem langfristige Anlagen zu investieren. Zugleich fordert die Regulatorik, Passiva und Aktiva angemessen auszugleichen. „Die ungewollte prozyklische Wirkung von Finanzregulierung – auch im Zusammenspiel mit internationalen Rechnungslegungsstandards – gehört zweifellos zu den schwierigen Themen, mit denen wir uns in den kommenden Jahren intensiver befassen müssen“, sagt der BaFin-Präsident.

Bildquelle: Fotolia