Brexit: FinTech-Standorte gegen offensive Werbung

-
10. Oktober 2017
-
Von Andreas Kißler

Die deutschen Banken und Finanztechnologie-Unternehmen ("FinTechs") sehen große Chancen für die FinTech-Standorte Frankfurt und Berlin, vom Brexit zu profitieren. Doch eine aggressive Vermarktung ist nicht der Weg, den die führenden Standorte Frankfurt und Berlin gehen wollen. "Es gibt keine offensive Werbung", betont Thomas Funke, der Co-Direktor der Frankfurter FinTech-Plattform TechQuartier. "Es ist eher das inhaltliche Argument, das wir fahren." Jedoch sei "gefühlt eine starke Tendenz" zu spüren, dass britische Start-ups sich informierten, um Dependancen zu öffnen. "Die Anfragen sind da - die sind aber meistens noch informativer Natur", berichtet Funke.

Henning Ravn, Bereichsleiter von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, beschreibt seinen Ansatz zum Umgang mit dem Brexit mit dem Ansinnen, "Berlin auf die geistige Landkarte" in London zu bringen. "Es geht hier nicht um marktschreierisches Verkaufsverhalten", betont auch er. Als Problem beklagte Ravn den Zustand der digitalen Infrastruktur, bei der es noch "großen Aufholbedarf" gebe.  Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat nach eigenen Angaben elf FinTech-Unternehmen als außerordentliche Mitglieder aufgenommen und will die Partnerschaft zwischen beiden Gruppen weiter vorantreiben. "Für Banken und FinTechs bieten sich zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten", erklärt BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer in einer Mitteilung. Digitale Angebote seien für Banken wie FinTechs ein zentrales Zukunftsthema. "Das Wachstumspotenzial ist enorm."  Die Finanzhäuser hatten bei ihrem Bankentag Anfang des Jahres die Öffnung der Satzung des Verbandes beschlossen, um eine Aufnahme der Wettbewerber zu ermöglichen, obwohl diese keine klassischen Banken sind. Die elf neuen FinTech-Mitglieder des Bankenverbands sind CashPayment Solutions (barzahlen), cringle, Deposit Solutions, Elinvar, FinLeap, figo, giromatch, IDnow, MasterFin, The NAGA Group, NDGIT. Der Verband forciert die Partnerschaft mit ihnen nach eigenen Angaben seit mehr als zwei Jahren. (DJN)

 

 Artikelbild: ©tumsasedgars - iStockphoto.com