Commodity Risk Management: Disziplin für Spezialisten

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24. Juni 2016
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Von Stefan Hirschmann

Das Management von Rohstoff-, Zins- und Währungsrisiken ist eine spezielle Disziplin. Die Koppelung verschiedener Warenpreisrisiken, Mengenrisiken in Bezug auf die Verfügbarkeit benötigter Rohstoffe oder aus Lieferverpflichtungen sowie Kredit- und Bonitätsrisiken bedürfen vor allem bei Versorgungsunternehmen einer permanenten Überwachung.

Viele Unternehmen sind in erheblichem Ausmaß von der Volatilität der Energie- (z.B. Strom, Gas, Kohle, Öl) und sonstigen Rohstoffpreise (z.B. Metalle, Agrarprodukte) betroffen. Verglichen mit anderen Finanzinstrumenten, stellen Commodities insbesondere Großunternehmen aufgrund der hohen Komplexität vor ganz spezielle Herausforderungen. Dies resultiert zum einen aus der Anzahl der miteinander verbundenen Prozesse innerhalb des Tradings sowie in der unterschiedlichen Behandlung von Rohstoffen mit physischer Lieferung oder reinen Paper Trades. Nicht zuletzt aufgrund der steigenden Anzahl von Transaktionen und volatilen Märkten sind oft kurzfristige Entscheidungen zu treffen. Das Management von Rohstoff-, Zins- und Währungsrisiken ist deshalb eine spezielle Disziplin. Die Koppelung verschiedener Warenpreisrisiken (z.B. Gaspreiskoppelung an den Ölpreis), Mengenrisiken in Bezug auf die Verfügbarkeit benötigter Rohstoffe oder aus Lieferverpflichtungen sowie Kredit- und Bonitätsrisiken bedürfen vor allem bei Versorgungsunternehmen einer permanenten Überwachung. Doch auch bei der Produktion von Zukunftstechnologien ist eine steigende Relevanz von Rohstoffen zu konstatieren. Da viele dieser Rohstoffe (z.B. Yttrium, Niob, Neodym, Scandium, Nickel oder Palladium) eine Konzentration in wenigen Ländern erfahren, nimmt das Commodity Risk tendenziell zu. Das ist – zugegebenermaßen – keine bahnbrechend neue Erkenntnis.

„Neu ist dagegen, dass auch die Finanzmarktregulierung einen zunehmend größeren Einfluss auf die Energie- und Versorgungsunternehmen ausübt“, sagt Klaus Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Uniper SE. Moderne Commodity Risk Manager müssen nicht nur Energie- und Rohstoffpreisrisiken analysieren, steuern und überwachen, sondern neuerdings regulatorische Vorgaben, wie z.B. EMIR, REMIT oder MiFID II, durchdringen und umsetzen. Aus der quantitativen und qualitativen Analyse von Marktpreis- und Mengenrisiken werden Risikostrategien und Empfehlungen für die Anpassung von Geschäftsmodellen abgeleitet. „Handelsrisiken haben generell zugenommen. Das hängt auch mit der Entwicklung der Kreditqualität vieler Unternehmen zusammen“, so Schäfer vor Mitgliedern der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Nordrhein-Westfalen (WPV). Die Kosten für die Absicherung der Kreditrisiken steigen in der Folge.

Die Finanzmarktregulierung, aber auch politische Risiken haben den internationalen Markt erheblich beeinflusst. So ließen die MiFID-II-Regelungen neue Marktplätze für Strom und Gasprodukte entstehen. Etliche Banken haben parallel sich aus aus dem Commodity-Geschäft zurückgezogen, weil ihnen der Rohstoffhandel zu kapitalintensiv war. „Vollkommen unbestreitbar ist, dass unser Marktumfeld schwierig ist“, sagt Uniper-Chef Schäfer. Aussicht auf Besserung gebe es frühestens in einigen Jahren. Bis es soweit ist, gilt es Kosten zu senken, die Organisation zu verschlanken und Unternehmensteile zu verkaufen.

Uniper, in die E.ON sein Geschäft mit den konventionellen Kraftwerken und den Energiehandel ausgegliedert hat, will nach der Zustimmung der E.ON-Aktionäre zur Konzernaufspaltung den Börsengang vorantreiben. Das Problem ist, dass sich mit konventionellen Anlagen aufgrund der niedrigen Börsenstrompreise in Deutschland kaum noch Geld verdienen lässt. Deshalb muss Uniper ein hartes Sparprogramm auflegen und dabei auch Stellen abbauen. Um die Bilanz zu stärken, will das Unternehmen zudem bis 2018 Aktivitäten im Wert von mindestens 2 Mrd. € verkaufen. Uniper-Chef Schäfer wiederholte in Düsseldorf seine Forderung nach einem so genannten Kapazitätsmarkt in Deutschland, bei dem die Betreiber dafür entlohnt würden, dass ihre Anlagen jederzeit zur Verfügung stehen und im Notfall einspringen können. In anderen Ländern, in denen Uniper aktiv ist, profitiere das Unternehmen schon von solchen Regelungen, sagte Schäfer. "Der größte Teil unseres Ertrages in Russland kommt aus dem Kapazitätsmarkt." Schäfer betonte gleichwohl, dass sein Unternehmen nicht von einem deutschen Kapazititäsmarkt abhängig sei. "Für uns ist Deutschland nur ein Markt", Uniper habe viele Geschäfte und "globale Ambitionen für die Zukunft", sagte Schäfer.

 

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