Der Markt hat gesprochen!

-
03. Februar 2011
-
Von Stefan Hirschmann

Es ist wie verhext: Die erfolgreiche Etablierung einer internationalen Ratingagentur, möglichst aus Europa, neben den Branchenführern Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch Ratings will einfach nicht klappen. Politisch gewollt ist sie allemal und an ernst gemeinten Versuchen mangelt es nicht.

KÖLN, 3.2.2011. Es ist wie verhext: Die erfolgreiche Etablierung einer internationalen Ratingagentur, möglichst aus Europa, neben den Branchenführern Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch Ratings will einfach nicht klappen. Politisch gewollt ist sie allemal und an ernst gemeinten Versuchen mangelt es auch nicht. Allein in Deutschland haben in den vergangenen Jahren u.a. die Euroratings AG, URA Rating Agentur AG, Gdur Mittelstands-Rating AG, RS Rating Services AG und die E-Ratingservice AG vergeblich versucht, am Markt zu bestehen. Mit äußerst potenten Gesellschaften im Rücken und einer ausgewiesenen Fachexpertise haben zumindest die Creditreform Rating AG und die Euler Hermes Rating GmbH Sitzfleisch bewiesen, aber von einer wirklichen Alternative zu Moody's & Co. sind sie meilenweit entfernt. Vielmehr wollen beide Unternehmen vor allem bei mittelständischen Unternehmen punkten ? einem Segment, das von den großen Drei mangels Profitabilität gar nicht bedient wird. An diesen grundsätzlichen Marktverhältnissen wird auch die von Euler Hermes (EU-weit) und Creditreform (als ECAI) erlangte ordentliche Registrierung nichts ändern.

Die bislang auf Fondsratings spezialisierte Bad Homburger Firma Feri denkt öffentlich darüber nach, ihr Geschäftsmodell zu erweitern und künftig auch einzelne Unternehmen zu raten. Nach den Erfahrungen der letzten zehn Jahre sollte sich der Vorstand dieses Unterfangen nochmals gut überlegen, denn es droht nicht nur eine Fehlinvestition, sondern massiver Reputationsverlust. Davon kann auch die kanadische Ratingagentur DBRS ein Lied singen. Mit wehenden Fahnen gründeten die Ratinganalysten aus Toronto 2005 Ableger an den Standorten Frankfurt, Paris und London, um in Europa den Markt zu entern. Nur zwei Jahre später wurde DBRS Europe wieder liquidiert, die rund 40 Mitarbeiter in Europa über Nacht nach Hause geschickt. Die verbliebenen Mandate wurden mit Dumpingpreisen gehalten, rechtfertigen aber keinen dauerhaften Geschäftsbetrieb mehr auf dem Kontinent.

Die Neuakquise bei Kapitalmarktratings ist Kärrnerarbeit. Und sehr kostenaufwendig. Der Aufbau einer internationalen Marke im Ratinggeschäft lässt sich nicht über Nacht bewerkstelligen. Die Investitionsphasen sind lang, eine Profitabilität in der Startphase utopisch. Um eine hohe Reputation zu erlangen, bedarf es hoher Investitionen, eines hohen Engagements und zwar sowohl hinsichtlich der personellen Ressourcen als auch hinsichtlich der finanziellen Aufwendungen. Das wusste auch der weltweit drittgrößte Kreditversicherer Coface, als das Unternehmen 2009 mit einem neuen Unternehmensrating auf den Markt kam, um den etablierten Ratingagenturen Konkurrenz zu machen. ?A new rating agency is born?, hieß der Werbeclaim fortan. Doch die Geburt reifte nicht ? wie beabsichtigt ? langsam zu einem strammen Jungen heran, der gegenüber den Erwachsenen die Muskeln spielen lässt. Vielmehr wurden die großen Pläne, mit dem neuen Rating glaubwürdiger, verlässlicher und preiswerter zu werden als der mächtige Wettbewerb, jetzt auf Eis gelegt. Die unbestritten größte Hoffnung der letzten Jahre auf mehr Diversifikation von Ratingmeinungen ist zerstoben. Letztlich bleibt es wieder beim Oligopol von S&P, Moody?s und Fitch. Basta. Der Markt hat gesprochen!


Der Autor war von 2002 bis 2005 Chefredakteur der Zeitschrift RATINGaktuell (Bank-Verlag Medien, Köln).