Der monetäre Schlingerkurs der EZB

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08. März 2019
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Otmar Lang

Nach der US-Notenbank Federal Reserve hat nun auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihr geldpolitisches Ruder gewaltig herumgerissen: Eine Zinsanhebung in der zweiten Jahreshälfte 2019 ist vom Tisch. Auch wird es keine Neuauflage des Rentenankaufprogramms geben – schließlich hatten die europäischen Währungshüter dieses erst im Dezember 2018 auslaufen lassen. Ein Neustart nach so kurzer Zeit käme dem Eingeständnis einer groben Fehleinschätzung gleich.

Stattdessen bietet die Zentralbank den europäischen Banken ein neues milliardenschweres Kreditprogramm an (TLTRO). Damit will EZB-Chef Mario Draghi den Eindruck verhindern, er habe das Abgleiten der europäischen Wirtschaft in eine Rezession mit einer geldpolitischen Straffung begleitet. 

Einen ähnlichen monetären Schlingerkurs war die EZB früher bereits gefahren: 2011 hob sie die Leitzinsen an, nur um ein halbes Jahr später den 2008 begonnenen Zinssenkungszyklus fortzusetzen. Was folgte, waren acht weitere Zinsschritte nach unten.

Pure Panik 

Die aktuellen Schwenks der Notenbanken in den USA und in Europa demonstrieren pure Panik. Dabei gibt es hierfür keinen Grund: Der ewige Hinweis auf geopolitische Risiken verfängt schon lange nicht mehr. Der internationale Handelsstreit könnte schneller als gedacht gütlich beendet sein. Selbst ein dirty Brexit könnte ausfallen.

In beiden Fällen würde sich die Stimmung in den USA und in Europa sehr schnell drehen, spätestens zur Jahresmitte 2019. Dann würde der jetzt noch so verhaltene Ton der Notenbanker schnell wieder rauer – und die geldpolitische Richtung müsste sich abermals drehen.

Ein Marktkommentar von Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank.