Deutsche Banken sind in guter Verfassung – noch

ERM
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30. August 2017
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Von Hans Bentzien

Die kleinen und mittelgroßen Kreditinstitute in Deutschland rechnen laut einer Erhebung der Bundesbank damit, dass das Niedrigzinsumfeld in den nächsten fünf Jahren Gewinn und Kapitalrentabilität stark belasten wird. Laut Bundesbank sind sie aber in Bezug auf die Gesamtkapitalrentabilität nicht mehr so pessimistisch wie vor zwei Jahren. Nach Mitteilung der Bundesbank erwarten die Banken und Sparkassen auf Grundlage ihrer eigenen Plan- und Prognosedaten, dass ihr Jahresüberschuss vor Steuern im Jahr 2021 um 9 Prozent unter dem Wert von 2016 liegen wird. Da die Institute gleichzeitig mit einer steigenden Bilanzsumme rechnen, dürfte die Gesamtkapitalrentabilität um 16 Prozent sinken. Bei der Umfrage im Jahr 2015 hatten Banken und Sparkassen noch einen Rückgang um 25 Prozent prognostiziert. "Zwar planen die deutschen Kreditinstitute wieder etwas optimistischer, allerdings bedeutet dieses Ergebnis nur, dass sich die Ertragslage – ausgehend von einem niedrigeren Niveau – weniger schnell verschlechtert als noch vor zwei Jahren angenommen", kommentiert Bundesbank Vorstandsmitglied Andreas Dombret das Umfrageergebnis.

Die durch niedrige Zinsen verursachte Durststrecke sei längst noch nicht überstanden. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) berät am 7. September über den Fortgang ihrer Geldpolitik, die die maßgebliche Ursache der niedrigen Zinsniveaus ist. Beobachter erwarten, dass der Rat eine weitere Verringerung der Anleihekäufe beschließen wird. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat kürzlich gefordert, das Programm möglichst rasch zu beenden. Die Bundesbank hat für die Studie die rund 1.500 kleinen und mittelgroßen Kreditinstitute befragt, die unmittelbar unter nationaler Aufsicht stehen. Diese umfassen rund 88 Prozent aller Kreditinstitute in Deutschland sowie rund 41 Prozent der aggregierten Bilanzsummen.  

Banken erschließen zunehmend alternative Ertragsquellen
Laut Bundesbank sind deutsche Institute überwiegend gut kapitalisiert. "Die gute Kapitalausstattung der meisten Institute hilft dabei, die Effekte aus dem Niedrigzinsumfeld abzufedern", stellt Raimund Röseler, Exekutivdirektor für Bankenaufsicht bei der Bankenaufsicht Bafin, fest. Zudem planten die meisten Institute, alternative Ertragsquellen auszubauen, um die schrumpfenden Margen im Zinsgeschäft zu kompensieren. Dass sich die Banken nicht auf ihrem Kapitalpolster ausruhen, sondern auch aktiv Gegenmaßnahmen ergreifen, sieht Dombret positiv. "Angesichts schrumpfender Margen im Zinsgeschäft erschließen die Banken und Sparkassen zunehmend alternative Ertragsquellen. Insbesondere das Provisionsgeschäft wird künftig mehr zur Stabilisierung der Ergebnisse beitragen", sagt er. Die Bundesbank hat mit Hilfe der erhobenen Daten außerdem simuliert, wie sich Überschuss und Gesamtkapitalrentabilität der Institute bei unveränderten Zinsen bis 2021, bei weiter sinkenden Zinsen sowie bei steigenden Zinsen entwickeln würden. Bei unveränderten Zinsen droht ihnen laut Bundesbank ein Rückgang der Gesamtkapitalrendite um 40 Prozent, bei einer Senkung des Zinsniveaus um weitere 100 Basispunkte wären es mehr als 50 Prozent.

Zinsanstieg würde zunächst zu Gewinneinbrüchen führen
Portfolioanpassungen im Rahmen einer dynamischen Bilanzannahme könnten diesen Effekt entsprechend mildern. Die rückläufige Gesamtkapitalrentabilität in den Szenarien wäre vor allem auf den Rückgang der Margen auf der Passivseite zurückzuführen, zum Beispiel bei den Spar- und Sichteinlagen. Bei einem Zinsanstieg um 200 Basispunkte wäre zunächst mit Gewinneinbrüchen aufgrund von Wertberichtigungen zu rechnen. "Mittel- bis langfristig würden sich die Gewinne aber wegen steigender Margen über das Niveau von 2016 hinaus erholen", prognostiziert die Bundesbank. Insgesamt planen die Institute mit einem Anstieg ihrer harten Kernkapitalquote von 15,9 auf 16,5 Prozent bis zum Jahr 2021. Dabei geht jedoch ein Drittel der Institute für die kommenden fünf Jahre von einem Rückgang der harten Kernkapitalquote aus. Der Rückgang beruht vor allem auf der stärkeren Zunahme der risikogewichteten Aktiva, was neben einem wachsenden Geschäftsvolumen auch dadurch bedingt sein kann, dass die Institute dann risikoreichere Geschäfte eingehen.

Jede zehnte Bank plant oder befindet sich in Fusion
Im Rahmen der Umfrage wurden die Institute auch nach der Wettbewerbssituation auf dem deutschen Bankenmarkt gefragt. Sie rechnen weiterhin mit starker Konkurrenz durch andere Banken in ihrer Region und durch FinTechs. "Mehr als 70 Prozent der befragten Institute sehen sich aktuell einem höheren Wettbewerbsdruck ausgesetzt als noch vor zehn Jahren", sagt Bundesbank-Vorstand Dombret. Vor diesem Hintergrund gab etwa jedes zehnte Institut an, sich schon in einem Fusionsprozess zu befinden oder eine Fusion konkret zu beabsichtigen. (DJN)

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