Die SNB und der Wert des Franken

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16. Oktober 2018
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Von Hans Bentzien

Die schweizerische Privatbank J. Safra Sarasin findet die Kommunikation der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zum Franken nicht überzeugend. "Die Aussage, der Franken sei überbewertet, ist nicht hundertprozentig glaubwürdig – wenn die Wirtschaft stark ist, dann darf auch der Franken stark sein", sagt Chefvolkswirt Karsten Junius. Er sei über die SNB-Kommunikation zum Franken "sehr unglücklich". Die SNB begründet ihre Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen und den Einlagensatz für Banken von minus 0,75 Prozent damit, dass der Franken "hoch bewertet" sei, weshalb die Attraktivität von Franken-Anlagen reduziert werden müsse.

Junius sagt: "Der Schweizer Wirtschaft geht es unglaublich gut." Sie habe den Wechselkursschock gut verdaut und die Arbeitslosenquote sinke stetig. Unzufrieden ist Junius außerdem mit den Prognoseleistungen der Zentralbank: "Die SNB hat uns überhaupt nicht auf die Möglichkeit von BIP-Wachstumsraten von temporär 3 Prozent vorbereitet", sagt er. Zudem bemängelt Junius, dass die Zentralbank ihre längerfristigen Inflationsprognosen "von Quartal zu Quartal" senke. Für 2020 erwartete die SNB im September einen Verbraucherpreisanstieg von nur noch 1,2 Prozent. Im Juni waren es noch 1,6 und im März 1,9 Prozent gewesen. Der Analyst führt das auf eine "abstruse" Prognosemethode der SNB zurück, die auf der Annahme unveränderter Zinsen in der Schweiz bei gleichzeitiger Annahme steigender Zinsen im Euroraum auf Basis der Zinsstrukturkurve beruhe. (DJN) 

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