Digitalisierung: Chancen und Risiken

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26. Januar 2017
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Von Andreas Kißler

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat entscheidende Veränderungen durch die Digitalisierung des Finanzsektors vorausgesagt, zugleich aber auch auf Risiken der Entwicklung hingewiesen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) riet bei einer Konferenz zu dem Thema in Wiesbaden dazu, vor allem "die Möglichkeiten" zu sehen, und forderte einen internationalen Standard. Bei der von der Bundesbank und dem Bundesfinanzministerium organisierten Konferenz sagte Weidmann voraus, dass "digitale Technologien und Fintechs das Potential haben, um den Markt für Finanzdienstleistungen mit ihren innovativen Geschäftsmodellen fundamental zu verändern". Zentralbanker und Regulierer müssten dann das sich verändernde Marktumfeld aufmerksam beobachten und nötigenfalls auf "neue und verschiedene Typen von Risiko" reagieren.

Digitale Finanzierung öffne eine Vielzahl von Möglichkeiten, "aber wir sollten die Risiken nicht vernachlässigen", mahnte Weidmann in seiner auf Englisch gehaltenen Rede. Ziel sei es deshalb, gemeinsame Kriterien für die aufsichtliche Behandlung von Finanztechnologie-Unternehmen aufzustellen. "Fintechs sollten ihre Geschäftsmodelle nicht auf regulatorischen Schlupflöchern aufbauen", mahnte Weidmann. Laxe Regulierung zu nutzen, um Geschäft anzuziehen, sei ein Fehler, der bereits vor der jüngsten Finanzkrise gemacht worden sei.

Digitalisierung des Finanzsektors ein Schwerpunkt der G20
Schäuble wies bei der Konferenz vor allem auf die Chancen der Digitalisierung hin. Man dürfe sich nicht zu sehr von den Risiken leiten lassen, sondern müsse "immer die Möglichkeiten sehen", riet der deutsche Finanzminister. International gelte es, einen Rahmen zu setzen, "um die Chancen zu nutzen und die Risiken zu begrenzen". Schäuble verwies auf deutliche Vorteile digitaler Finanzierungsmöglichkeiten zum Beispiel auf Regionen in Afrika, in denen die Menschen bisher keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen hätten. Die Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte seien sehr unklar, sagte er zudem mit Blick auf Befürchtungen, die Digitalisierung werde zu hohen Arbeitsplatzverlusten im Finanzsektor führen. Der Bundesfinanzminister forderte aber auch, die Öffentlichkeit müsse gewappnet sein gegen Cyberattacken. "Das darf man überhaupt nicht geringschätzen", sagte Schäuble.

Bei der Konferenz im Rahmen der deutschen Präsidentschaft der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) beraten nach Angaben des Finanzministeriums unter dem Titel "Digitising Finance, Financial Inclusion and Financial Literacy" mehr als 180 Delegierte der G20, Wissenschaftler, Regierungsexperten und Vertreter der Privatwirtschaft über die Chancen und Risiken der Digitalisierung des Finanzsektors beraten. Das Thema ist einer der Schwerpunkte des deutschen G20-Vorsitzes im Finanzbereich. (DJN) 

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