Donald Trump vs. China: Ein globales Tischtennisspiel

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07. August 2018
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Von Ross Teverson

Man könnte argumentieren, dass der aktuell diskutierte US-China-Handelskrieg mit dem Bruch der Bedingungen für einen chinesischen Telekommunikations-Ausrüstungshersteller begann: ZTE. Aus der Sicht des Aktienmarkts ist das interessant. ZTE versäumte es, vier Mitarbeiter zu entlassen, die mit Nordkorea und dem Iran zu tun hatten. Es führte dazu, dass das Unternehmen mit einem pauschalen Betriebsverbot für die USA überzogen wurde. Die Aktien wurden zunächst suspendiert und fielen dann um 60 Prozent, als sie wieder an der Börse gelistet wurden. Das veranschaulicht, welche unbeabsichtigten Risiken in einem Portfolio lauern können und wie wichtig es ist, sich dieser Risiken stets bewusst zu sein.

Die Liste der Branchen in Trumps Schusslinie für Zölle reicht von Möbeln bis hin zu Turnschuhen, aber bisher haben sich die Investoren vor allem auf zwei konzentriert: Autos und Stahl. Der koreanische Automobilsektor wurde noch mit keinen Sanktionen oder Zölle belegt. Trotzdem tun Investoren so, als ob das der Fall wäre, und dass deswegen koreanische Autos einen Teil ihrer Wettbewerbsfähigkeit in den USA und China verlieren würden. Dadurch hat der Sektor kürzlich etwa 30 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Der Technologiesektor sollte eigentlich in der Schusslinie stehen, blieb aber bisher weitgehend außen vor. Es ist aber Teil der Trump´schen Agenda, geistiges Eigentum besser zu schützen. Dessen Gefährdung hatte in der Vergangenheit immer wieder die Stimmung belastet hat.

Auf Indexebene wirkte sich der Konflikt unmittelbar auf den Shanghai Composite Index (Festland) aus. Er gab weiter nach und büßte seit Jahresbeginn 16 Prozent ein und liegt 46 Prozent unter seinem Höchststand im Jahr 2015. Und das, obwohl die meisten chinesischen Unternehmen ein ordentliches Gewinnwachstum aufweisen, erste Fortschritte bei der Bilanzverbesserung erzielten und inländische chinesische Aktien in den MSCI Emerging Market Index aufgenommen werden. Darüber hinaus waren die Exporte im Juni stabil mit einem Plus von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was allerdings vermutlich durch Hamsterkäufe im Vorfeld der Zollimplementierung unterstützt wurde. Chinas Handelsüberschuss stieg im Juni auf 41,6 Mrd. US-Dollar, was einem Höchststand seit Dezember entspricht. Der überwiegende Teil davon geht auf die USA zurück. Der Überschuss des Monats Juni gegenüber den USA war mit 29 Mrd. US-Dollar der höchste, der je verzeichnet wurde. 

Dennoch kann China bei den Handelssanktionen nicht mit den USA mithalten. Das Reich der Mitte kann den USA das Leben aber schwer machen, da China US-Staatsanleihen im Wert von mehr als 1 Bio. US-Dollar besitzt. Würden diese verkauft, wäre das sehr unangenehm für die Finanzmärkte.

Was bedeutet das alles?

In naher Zukunft werden die Sorgen um den Handelskrieg wahrscheinlich weiter bestehen bleiben, aber die größten Belastungen durch den Konflikt werden weiterhin auf die Stahl- oder Automobilhersteller zukommen. Indem sich Anleger auf Bottom-up-Chancen konzentrieren und gleichzeitig sicherstellen, dass sie in den Schwellenländern diversifiziert aufgestellt sind, dürfte die Volatilität durch politisches Risiko begrenzt sein. Auch wenn die kurzfristige politische Unsicherheit anhält, ist der substanzielle Strukturwandel positiv, wodurch sich viele Chancen ergeben. Beispiele für Bereiche, in denen unserer Meinung nach ein langfristiger Strukturwandel stattfinden wird, ist die finanzielle Inklusion breiter Bevölkerungsteile und die Tourismus-Branche. Gerade Letzterer wird immer noch oft übersehen, obwohl dessen Strukturwandel wahrscheinlich zu jahrzehntelangem Wachstum führen wird. Während politische Schnellschüsse die Stimmung stark belasten könnte, sehen wir im Markt viele attraktive Chancen, die Investoren unserer Meinung nach nachhaltig und langfristig erwirtschaften können.

Ein Kommentar von Ross Teverson, Jupiter Asset Management.