Ein Ordered-Logit-Modell zur Erklärung von Staatsratings

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12. März 2018
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Von Daniel Hagemann, Frank Lehrbass

Das Thema der Bonität von Staaten wird bankaufsichtlich voraussichtlich strenger gesehen werden (etwa BCBS d425 von Dezember 2017). Für interne Risikoeinschätzungen stellt es ohnehin ein wichtiges Thema dar. Deshalb ist es wichtig, die Entwicklung der Ratings von Staaten abschätzen zu können. Auf Basis eines Querschnittsdatensatzes mit 124 Staaten aus dem Jahr 2016 entwickeln wir dazu ein Modell. Da Downgrades deutlich häufiger geschehen als Ausfälle, schätzen wir ein Ordered-Logit-Modell. 

Unsere Ergebnisse zeigen, dass das BIP pro Kopf, die Staatsverschuldung in Relation zum BIP, die Wahrscheinlichkeit für einen Systemstress im Bankensektor, die Abweichung der Inflationsrate von einem stabilen Preisniveau, der Haushaltssaldo in Relation zum BIP sowie die Devisenreserven signifikante Erklärungskraft für das Rating von Staaten haben. 

In-sample erzielt das Modell eine Hit-Rate von über 50 Prozent, wobei lediglich 5 Prozent der vorhergesagten Ratings um mehr als eine Stufe von der tatsächlichen Klassifizierung abweichen. Das konzipierte Ordered-Logit-Modell eignet sich damit zur quantitativ gestützten Risikoanalyse sowie zur Plausibilisierung von Ratings.

Am 14. Juni 2010 stufte die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit Griechenlands um vier Notches von A3 auf Ba1 herab. Die Nachricht sorgte an den Finanzmärkten für einen starken Anstieg der Spreads bei griechischen Staatsanleihen und Credit Default Swaps und gilt als Katalysator der europäischen Staatsschuldenkrise. Moody’s begründete das Multi-Notch-Downgrade insbesondere mit dem erhöhten Risiko, dass sich die Schuldentragfähigkeit Griechenlands trotz des vereinbarten milliardenschweren Hilfspakets durch die Eurozone und den Internationalen Währungsfonds mittelfristig als nicht mehr nachhaltig erweisen könnte. Die griechische Staatsverschuldung war stark angestiegen und drohte den Schwellenwert von 150 Prozent des Bruttoinlands­produkts (BIP) zu überschreiten. Moody’s verknüpfte zukünftige Ratingmaßnahmen eng mit der weiteren Entwicklung der Verschuldungskennzahl. Als sich die Verschuldung Griechenlands in Relation zum BIP nicht stabilisierte, folgten weitere Downgrades durch die Ratingagentur.

Die mehrfachen Ratingherabstufungen Griechenlands in den Jahren 2010 bis 2012 zeigen, dass das Rating von Staaten sehr sensitiv auf bestimmte Kennzahlen reagieren kann. Insbesondere die Überschreitung bestimmter Schwellenwerte kann sich schlagartig auf die Bonitätseinschätzung auswirken.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Determinanten der Ratingeinstufung von Staaten empirisch zu bestimmen. Es wird ein Ordered-Logit-Modell konzipiert, mit dem sich das Rating von Staaten auf Basis der relevanten Risikofaktoren prognostizieren lässt. Bei der Untersuchung wird auf die Ratings von Moody’s und die volkswirtschaftlichen Kennzahlen von Moody’s und Fitch zurückgegriffen. Der Datensatz beinhaltet 124 von Moody’s geratete Staaten.

Um die angeführte Zielsetzung aufzuarbeiten, wird zunächst die quantitative Kreditrisikoanalyse für Staaten erläutert. Dazu werden die unterschiedlichen Ratingmodelle zur Bonitätsbestimmung vorgestellt. Außerdem werden die wesentlichen Risikofaktoren für die Kreditwürdigkeit von Staaten theoretisch hergeleitet. Darauf aufbauend erfolgt die empirische Untersuchung der Determinanten des Staatsratings. Hierbei werden die Methodologie und der verwendete Datensatz vorgestellt und die Ergebnisse der Schätzung aufgezeigt und ausgewertet. Außerdem wird die Modellgüte bewertet. Anschließend erfolgt eine kritische Würdigung der Ergebnisse und eine Ableitung von Implikationen für die Ratingeinstufung von Staaten. Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und es wird ein Ausblick gegeben.

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 03/2018. Die Ausgabe ist seit dem 28. Februar 2018 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autoren:

Daniel Hagemann,
Master Student an der FOM Hochschule in Düsseldorf. 

Prof. Dr. Frank Lehrbass,
FOM Hochschule für Oekonomie & Management und Geschäftsführer L*PARC Unternehmensberatung.

Artikelbild: ©gremlin - iStockphoto.com