EU-Staatsanleihen weiterhin mit Ausfallrisiko

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12. Juli 2017
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Redaktion RISIKO MANAGER

Die von der Bankenaufsicht angedachten verschärften Eigenkapitalvorschriften für Staatsanleihen würden weitrechende Folgen haben. Vor allem für Italien könnten die neuen Richtlinien zur weiteren Belastung werden. Denn italienische Banken würden die größte Summe an zusätzlichem Eigenkapital brauchen, wenn das Eigenkapitalprivileg für EU-Staatsanleihen entfällt. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Untersucht wurde, wie viel zusätzliches Eigenkapital Banken aus den größten Eurostaaten Deutschland, Frankreich und Italien benötigen würden, wenn der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht als Teil der Reform von Basel III Regeln für die Bewertung von EU-Staatsanleihen ändert. Als Grundlage der Berechnungen dienen Daten aus den Bankenstresstests der Jahre 2014 und 2016.

In Deutschland ist der Bedarf gering: Während hiesige Banken insgesamt nur etwa 1,8 Mrd. € zusätzliches Eigenkapital bräuchten, wäre italienische Banken mit gut 9 Mrd. € ungleich stärker betroffen. Französische Banken würden zusammen insgesamt knapp 3 Mrd. € zusätzliches Eigenkapital benötigen. Der Vergleich zum Stresstest 2014 zeigt, dass in den drei Kernländern des Euroraums fast alle Banken ihre staatenbezogenen Risiken abgebaut haben. In Deutschland zeigen sich substanzielle Bestände an vergleichsweise riskanten Staatsanleihen jedoch weiterhin bei der Commerzbank, der Deutschen Bank und der NRW-Bank. Der Hauptgrund für die übermäßige Belastung der italienischen Banken liegt vor allem darin, dass diese verhältnismäßig viele heimische Staatsanleihen halten, die aufgrund ihres schlechten Ratings ein Risikogewicht von 50 Prozent haben. „In diesem sogenannten Home-bias liegt eine Gefahr, wenn die neuen Eigenkapitalregeln umgesetzt werden“, sagt Dorothea Schäfer, Forschungsdirektorin für Finanzmärkte am DIW Berlin. Denn wenn die Banken durch die Vorschriften mehr Eigenkapital unterlegen oder ihr Engagement mangels Eigenkapital reduzieren müssten, hätte dies weitreichende Auswirkungen für die Konsolidierung des ohnehin belasteten italienischen Haushalts. Die Untersuchung kommt daher zu dem Schluss, dass die eigentlich sinnvolle Verschärfung der Eigenkapitalerfordernisse gerade für Staaten mit schlechtem Rating zu einer großen Herausforderung werden könnte, die auch Folgen für den Euro haben könnte.

Die Schuldenkrise in Europa hat deutlich gemacht, dass nicht grundsätzlich alle Staatsanleihen aus Ländern der Europäischen Union ohne Ausfallrisiko sind. Bisher setzen die Banken deren Risikogewicht in den Büchern mit Null an, was ihnen erlaubt, deren Erwerb bis zu 100 Prozent über Fremdkapital zu finanzieren. Diese praktizierte Gewichtung ist seit der Schuldenkrise sehr umstritten. Derzeit verhandelt der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht ein Reformpaket von Basel III, mit dem dieses Eigenkapitalprivileg bei EU-Staatsanleihen entfallen würde. Künftig sollen Banken deshalb Eigenkapital nachweisen müssen, wenn sie risikoreiche EU-Staatsanleihen kaufen. Prinzipiell haben Banken zwei Möglichkeiten um die Risikogewichte festzulegen. Entweder sie berechnen das Risiko selbst oder sie legen ein anerkanntes Rating zugrunde.

Bildquelle: ©Marek Ludzen- istockphoto.com