EZB drängt auf besseres Risikomanagement

ERM
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23. Juni 2016
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Von Stefan Hirschmann

Gemäß einer aktuellen Untersuchung zur Unternehmensführung und Risikobereitschaft der direkt von der Europäische Zentralbank (EZB) beaufsichtigten Banken entsprechen etliche Prozesse in den Instituten nicht den internationalen Best Practices. Die meisten Banken müssen die Qualität der Beratungen im Leitungsorgan sowie dessen Fähigkeit, die Geschäftsführung unabhängig und kritisch zu prüfen, verbessern. Die Mehrzahl der Banken ist von den Aufsehern gehalten, einen robusteren, umfassenderen und ihrem Gesamtrisikoprofil entsprechenden Rahmen für die Risikobereitschaft umzusetzen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen Bericht über die Unternehmensführung und Risikobereitschaft der direkt von ihr beaufsichtigten Banken vorgelegt. Demnach existiert bei vielen Banken des Eurogebiets nach wie vor Verbesserungsbedarf, um den internationalen Best Practices gerecht zu werden. Im Ergebnis wurden konkrete aufsichtliche Folgemaßnahmen eingeleitet, Bereiche für anschließende Vor-Ort-Prüfungen festgelegt und Themen aufgezeigt, die in den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) einfließen sollen. „Die Leitungsorgane der Banken müssen ihre Fähigkeit, die Geschäftsführung unabhängig zu hinterfragen und zu überwachen, weiter ausbauen“, so die Vorsitzende des Aufsichtsgremiums, Danièle Nouy. Außerdem wurde im Zuge der Überprüfung festgestellt, dass das kollektive Wissen, die Unabhängigkeit und die Verteilung der Zuständigkeiten innerhalb des Leitungsorgans in einer Reihe von Instituten verbesserungsbedürftig sind. Darüber hinaus fordert die EZB die Banken auf, einen umfassenden Rahmen für die Risikobereitschaft zu entwickeln, um zu einer Stärkung des Risikobewusstseins und zu tragfähigen Geschäftsmodellen beizutragen. In diesem Rahmen sollte auch die Risikotoleranz der Banken in Bezug auf finanzielle wie auch nichtfinanzielle Risiken definiert werden. Die Geschäftsführung sollte Risikomesszahlen und Risikolimite konsequenter anwenden, diese genau überwachen und dem Leitungsorgan regelmäßig Rückmeldung geben. Der Risikobereitschaftsrahmen muss zudem nach dem Willen der Aufseher stärker auf die Geschäftspläne, Strategieentwicklung, Kapital- und Liquiditätsplanung sowie die Vergütungssysteme der Banken abgestimmt werden.

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