EZB forciert den Abbau notleidender Kredite

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04. Juli 2017
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Stefan Hirschmann

Die Europäische Zentralbank (EZB) will mit ihrem Leitfaden „Guidance to banks on non-performing loans“ den Umgang mit notleidenden Krediten besser steuern und überwachen. Viele europäische Banken tun sich schwer damit, das Verhältnis zwischen Non-Performing Loans (NPL) und Eigenkapital signifikant zu verbessern sowie den steigenden Anteil ausfallgefährdeter Kredite zu stoppen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine neue Bestandsaufnahme der nationalen Aufsichtsverfahren und Rechtsvorschriften in Bezug auf notleidende Kredite (Non-performing Loans – NPL) im Euro-Währungsgebiet vorgelegt. Sie umfasst nun alle Länder des Euroraums und beinhaltet Aktualisierungen für jene acht Länder, die bereits Gegenstand der ursprünglichen, im vergangenen Jahr veröffentlichten Bestandsaufnahme waren. Der aktuelle Bericht vermittelt ein umfassendes Bild der Praxis im Umgang mit notleidenden Krediten im Eurogebiet mit Stand vom 31. Dezember 2016 und ist Teil des laufenden Beitrags der EZB zum NPL-Dialog mit anderen Beteiligten in Europa.

Eine der zentralen Lehren aus der Finanzkrise und der Erfahrung vieler Länder mit hohen Beständen an notleidenden Krediten besteht darin, dass proaktives Handeln und eine angemessene Vorbereitung erforderlich sind, noch bevor die NPL-Bestände zu hoch werden. In der Bestandsaufnahme wird festgestellt, dass die Beteiligten in ruhigeren Zeiten Vorsorge treffen sollten, damit die Rahmenregelungen für den Umgang mit notleidenden Krediten von Beginn an robust ausgestaltet sind. Der aktuelle rechtliche Nachholbedarf mit Blick auf die Insolvenzregeln ist auf das Versäumnis zurückzuführen, außergerichtliche Einigungsmechanismen zu etablieren, bevor die notleidenden Kredite ein zu hohes Niveau erreichten. In einigen Ländern sind die Banken infolgedessen nicht zu einer effizienten Lösung von NPL-Problemen imstande, sodass sich ihr Bestand an notleidenden Krediten negativ auf ihre Leistungsfähigkeit auswirkt.

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