Faule Kredite: EU will Banken zu mehr Rücklagen zwingen

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15. März 2018
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Von Patricia Kowsmann

Die Europäische Kommission will die Banken dazu bringen, mehr Kapital für faule Kredite (Non Performing Loans, NPL) zur Seite zu legen. Während der Finanzkrise hat sich die Zahl der Forderungsausfälle in Europa stark erhöht, weil Haushalte und Unternehmen ihre Darlehen, die sie in den Boomjahren aufgenommen hatten, nicht zurückzahlen konnten. Zwar gehen die ausstehenden Forderungsausfälle dank der konjunkturellen Erholung in Europa zurück, doch Banken, die um Gewinne kämpfen, können die Abschreibungen aus NPL nur schwer verkraften. Am Mittwoch teilte die Europäische Kommission mit, in der EU gebe es notleidende Kredite im Volumen von 910 Mrd. Euro. Dies drücke auf das Wachstum, weil die Geldhäuser wegen des toxischen Erbes weniger neue Kredite ausreichen können.

Berge von Altlasten 

Nach dem Plan der Kommission müssen die Institute künftig neue unbesicherte Problemdarlehen binnen zwei Jahren abschreiben. Neue Kredite, für die Sicherheiten gestellt wurden und die notleidend geworden sind, sollen innerhalb von acht Jahren abgeschrieben werden. Die Brüsseler Behörde definiert einen Kredit als notleidend, wenn der Darlehensnehmer seit mehr als 90 Tagen keine Zahlung geleistet hat oder die Rückzahlung in naher Zukunft unwahrscheinlich ist. Die drückenden Altlasten packt Brüssel hingegen nicht an.

Die Europäische Bankaufsichtsbehörde erklärte auf der Grundlage von Schätzungen, die die jüngsten hohen Forderungsausfälle auf einen Zeithorizont von 20 Jahren hochrechnet, dass bei der durchschnittlichen europäischen Bank die Eigenkapitalquote (Tier 1 Ratio) deswegen um 205 Basispunkte (2,05 Prozentpunkte) geschmälert werde.  "Wenn Europa und seine Wirtschaft wieder an Stärke gewinnt, dann muss Europa die Dynamik nutzen und den Abbau notleidender Kredite beschleunigen", sagte Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis. Die Association for Financial Markets in Europe sprach sich hingegen dafür aus, dass die angemessene Höhe der Risikovorsorge für NPL in Absprache mit den Aufsichtsbehörden von Bank zu Bank festgelegt werden sollte. 

Griechenland, Italien und Portugal als Sorgenkinder

Die Pläne der EU müssen noch von den Staaten und den Gesetzgebern gebilligt werden. Insbesondere in Ländern mit hohem NPL-Bestand könnten die Vorschläge auf Widerstand stoßen. In Griechenland machen die faulen Kredite fast 47 Prozent der gesamten Darlehen aus, in Italien und Portugal sind es 12,1 Prozent bzw. 14,6 Prozent. Die Europäische Zentralbank, die die größten Kreditgeber des Euroraums beaufsichtigt, wird voraussichtlich in Kürze auch neue Regeln für neue und alte notleidende Kredite festlegen. 

Im Gegensatz zur Kommission, die allen Banken Regeln auferlegen kann, darf die EZB dies nur von Fall zu Fall. Die Vorschläge von Dombrovskis umfassen auch eine Stärkung der Sekundärmarkte, wo Finanzinstitute ihre Problemdarlehen verkaufen können. Zudem ist eine Regelung vorgesehen, wonach Banken die Sicherheiten, die einem Darlehen zugrunde liegen, ohne Gerichtsverfahren einziehen können. In manchen Ländern kann dies nämlich einige Jahre dauern, bis die Bank auf die Sicherheiten zugreifen kann. Ein Beispiel dafür sind Immobilien in Italien. (DJN) 

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