Finanzaufsicht nimmt bei Modellrisiken die Vorstände in die Pflicht

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21. März 2013
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Von Stefan Hirschmann

Die Erfolgsgeschichten von Risikomodellen in Banken halten sich seit dem Fall von Lehman Brothers in Grenzen, im Gegenteil, für viele haben sie einen entscheidenden Anteil an der Krise. Aber ? um gegenüber den kritisierten Modellen fair zu bleiben ? waren sie es, die teilweise versagt haben, oder die Menschen, die sie eingesetzt haben?

KÖLN, 20.3.2013. Die Erfolgsgeschichten von Risikomodellen in Banken halten sich seit dem Fall von Lehman Brothers in Grenzen, im Gegenteil, für viele haben sie einen entscheidenden Anteil an der Krise. "Aber ? um gegenüber den kritisierten Modellen fair zu bleiben ? waren sie es, die teilweise versagt haben, oder die Menschen, die sie eingesetzt haben?", fragt Risikomanagement-Experte Ottmar Bongers (Foto) von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Zweifellos waren hinsichtlich der Bewertung Überschätzungen von Marktliquidität und Ratings zu konstatieren, die entscheidenden Risikofaktoren im Marktrisikomanagement vielen Beteiligten nicht vollumfänglich ersichtlich und das Volumen des benötigten Kapitals oftmals zu knapp kalkuliert. Beim Einsatz eines jeden Instruments, so Bongers, sei aber stets die Frage nach dessen Validität zu beantworten: ?Taugt das Instrument für den Zweck, für den es eingesetzt wird?? Die Sicherstellung durch das Senior Management, dass diese Frage durch eine adäquate Validierung von Modellen regelmäßig qualifiziert beantwortet wird und bei Bedarf die erforderlichen Verbesserungsmaßnahmen getroffen werden, ist der Lackmustest für einen soliden Einsatz von Risikomodellen und eine Mindestvoraussetzung für das Management der damit verbundenen Modellrisiken. Aus diesem Grund haben interne Modelle bzw. das Model Risk Management mittlerweile auch für die Regulatoren eine erkennbar höhere Bedeutung. Die Aufsicht erachtet eine Modellvalidierung für wichtig, um zu verifizieren, ob das Modell in Übereinstimmung mit seiner Verwendung und den Zielen der Modellerstellung das leistet, was von ihm erwartet wird. Ziel bei dem Prozess ist es, mögliche Begrenzungen und Schwachstellen zu identifizieren und ihre Auswirkungen einzuschätzen. "Wichtig ist eine Transparenz hinsichtlich der Schwächen eines Modells sowie der Auswirkung der Schwächen auf die Verwendung des Modells", so Bongers vor Mitgliedern der Professional Risk Managers' International Association (PRMIA) in Köln. Eine Offenlegung dieser Schwächen gegenüber der Finanzaufsicht dürfe nicht mit einer Angst vor Restriktionen einhergehen, denn gemeinsames Ziel sei die Verbesserung der Risikomodelle und deren Verwendung. Zu einer umfassenden Modellvalidierung gehöre u.a. die Dokumentation einer Governance mit Aufgaben und Verantwortlichkeiten in der Bank, Richtlinien mit Zielen der Validierung und Transparenz zur Akzeptanz von Modellrisiken sowie Prozessbeschreibungen zur Implementierung der Richtlinien. In einem Validierungsreport sollten sowohl Materialität und Auswirkungen auf Modellverwendung sowie Maßnahmen zum Ausgleich von Modellschwächen enthalten sein, als auch ein nachvollziehbares Monitoring von Toleranzschwellen, Empfehlungen für Modell-Verbesserungen sowie die Nachverfolgung von Verbesserungsmaßnahmen. Besonderen Wert legt die Finanzaufsicht auf die Einbindung des Risikovorstands. "Die Wirksamkeit der Validierung hängt entscheidend von der Unterstützung durch den Vorstand ab", weiß Bongers und empfiehlt den Instituten deshalb, auch die erforderlichen Budgets bereit zu stellen. Risikomanagement ist eben Chefsache.

 


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Modellrisiko und Validierung von Risikomodellen. Regulatorische Anforderungen, Verfahren, Methoden und Prozesse.
Bank-Verlag, Köln: 2013, ca. 400 S., ISBN 978-3-86556-381-1 (erscheint im II. Quartal 2013)</media>

 

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Foto: Marius Rittmeyer (Bank-Verlag)