Finanzkrise erreicht Schiffsmarkt

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27. Oktober 2008
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Redaktion RISIKO MANAGER

Die schlechten Meldungen aus dem Schiffsmarkt häufen sich: Charterraten fallen, Linienreedereien legen Schiffe still, erste Emissionshäuser wickeln ihre Fonds ab, weil die Anschlusscharter zu optimistisch kalkuliert war. Doch bei der Kreditkrise gibt es nicht nur Verlierer. Gewinner sind eigenkapitalstarke Investoren, die jetzt die jetzt zu Vorzugspreisen in den Markt einsteigen können.

KÖLN, 27.10.2008. Die schlechten Meldungen aus dem Schiffsmarkt überschlagen sich: Die Charterraten fallen, Linienreedereien wie Maersk legen Schiffe still, weil die Charterraten nicht mehr die laufenden Fahrtkosten decken und die ersten Emissionshäuser wickeln ihre Fonds ab, weil die Anschlusscharter zu optimistisch kalkuliert war. ?In den letzten Wochen hat es bereits Stornierungen von Neubauaufträgen auch durch deutsche Reeder gegeben?, erklärt Dr. Albrecht Gundermann von der Geschäftsleitung der Maritim Equity Beteiligungsgesellschaft mbH (Maritim Equity). Die bislang völlig ausgebuchten Werften suchen plötzlich nach Käufern und müssen Schiffe zu günstigeren Preisen anbieten. Auch die aktuellen Neuabschlüsse bei den Charterraten belegen es: Dem lange Zeit stark wachsenden Seehandel stehen stürmische Zeiten bevor. Seit Jahresanfang sank der Charterraten-Index des britischen Frachtmaklers Howe Robinson von 1.400 auf unter 800 Punkte, Tendenz weiter fallend. Damit gab der Branchenindikator allein in den letzten vier Wochen um mehr als 205 Punkte nach und liegt nun rund 43 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn. Das zyklische Geschäft mit der maritimen Transportkapazität leidet immer stärker unter der nachlassenden Weltkonjunktur. ?Wir erleben das Ende einer fünfjährigen Aufschwungphase?, so Gundermann. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) werden 2009 nur noch 3 Prozent Weltwirtschaftswachstum erreicht. Auch der Welthandel, der zu 95 Prozent über den Seeweg abgewickelt wird, wächst mit geschätzten 4,1 Prozent deutlich langsamer. 2007 hatte die Weltwirtschaft noch um 5 Prozent zugelegt und der globale Handel wuchs um 7,2 Prozent.

 

Maritim Equity-Chef Dr. Albrecht Gundermann

 

Chancen in der Krise ? mit Eigenkapital zu Vorzugspreisen einsteigen
Ungewöhnlich beim aktuellen Branchentief ist, dass die Reedereien nicht nur sinkende Einnahmen erleiden. Hinzu kommt noch, dass die für Schiffskäufe nötige Fremdfinanzierung immer schwerer zu bekommen ist. Die Banken vergeben auch in der Schiffsbranche neue Kredite nur noch sehr zögerlich und verlangen höhere Eigenkapital-Quoten und höhere Zinsen. Für das vierte Quartal 2008 haben alle schiffsfinanzierenden Banken die Kreditvergabe sogar völlig eingestellt. Für mindestens ein Viertel der bestellten Schiffe gibt es überhaupt noch keine Finanzierungsverträge. Doch bei der Kreditkrise gibt es nicht nur Verlierer. Gewinner sind eigenkapitalstarke Investoren, die jetzt die jetzt zu Vorzugspreisen in den Markt einsteigen können. Denn sie schließen die Finanzierungslücke der Reedereien und können im Gegenzug bessere Konditionen verhandeln. Die Reeder wiederum profitieren davon, dass sie nach Vertragsabschluss schnell und unkompliziert die Kapitalspritze bekommen, die sie im aktuellen Markt für Fremdfinanzierungen brauchen. Maritim Equity, ein Hamburger Emissionshaus für innovative Beteiligungskonzepte im Schifffahrtsbereich, hält schon jetzt über 30 Mio. EUR bereit, denn das Unternehmen sammelt für seine Fonds zuerst das Kapital bei den Anlegern ein, um es danach zu investieren.

Ausblick Beteiligungsmarkt
?Investoren laufender Schiffsbeteiligungen müssen im Allgemeinen keine Angst vor der Marktlage haben?, beruhigt Gundermann. ?Gut konzipierte Fonds haben Abschwungphasen wie diese einkalkuliert.? Der traditionell sehr volatile Frachtermarkt durchläuft regelmäßig alle vier bis fünf Jahre Abschwungphasen, zuletzt nach dem 11. September 2001. Besonders entschuldete Schiffsbeteiligungen wirken jetzt stabilisierend auf gebeutelte Anlegerportfolios. ?Neu emittierte Fonds mit teuren Schiffen werden aber Probleme bekommen, wenn sie ihre Anschlusscharter innerhalb der Abschwungphase aushandeln müssen?, ergänzt Gundermann. Der negative Trend auf den Chartermärkten wird sich eine Weile fortsetzen. Marktinsider sehen die Zukunftsperspektiven des Seehandels mittelfristig aber wieder positiv. ?Nach solchen Abschwungphasen geht es immer wieder nach oben?, beruhigt Gundermann. ?Mittel- bis langfristig sind die Aussichten für die Containerschiffahrt gut.?