Frankreich und Italien werden zur Gefahr für die Eurozone

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29. Januar 2018
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Redaktion Risiko Manager

Italien ist aktuell für die Experten des cep (Centrum für Europäische Politik) das größte Sorgenkind in der Eurozone und drohe zu einem zweiten Griechenland zu werden, so Fachbereichsleiter Matthias Kullas. Dass sich das Land trotzdem noch günstig am Kapitalmarkt finanzieren kann, ist aus seiner Sicht vor allem auf die massiven Ankäufe italienischer Staatsanleihen durch die EZB zurückzuführen. Kullas zufolge müssen in Italien der öffentliche Konsum reduziert und das Klima für private Investitionen verbessert werden. Ein Rettungspaket des ESM wie im Fall von Griechenland hält er hingegen für nur schwer denkbar. Wahrscheinlicher sei es, dass die EZB noch mehr italienische Staatsanleihen kaufe und dem Land auf diese Weise Kapital verschaffe.

Die Freiburger Denkfabrik hat darüber hinaus auch ihren Default-Index für Frankreich aktualisiert. Demnach ist die französische Kreditfähigkeit im ersten Halbjahr 2017 zurückgegangen. Grund sei der stark gestiegene Nettokreditbedarf, der die kapazitätssteigernden Investitionen leicht übersteige. Das Land habe sich im Ausland netto verschuldet und einen Teil der Kredite für den Konsum verwendet. Halte diese Entwicklung noch länger an, könne auch Frankreich zu einem Problem für die Eurozone werden. Und das sei bereitet noch mehr Sorgen als Italien: Frankreich, so Kullas, könnte „im schlimmsten Fall seinen großen Einfluss nutzen, um die Stabilitäts-Regeln in der Eurozone aufzuweichen.“ 

Die cep-Fachleute erachten es als wichtig, dass die französische Kreditfähigkeit wieder ansteige – für den Euro-Raum und damit auch für die EU insgesamt. Voraussetzung dafür ist ein Rückgang der Nettokreditaufnahme im Ausland sowie der Konsumquote. Der sozialverträglichste Weg hierzu bestünde in der Erhöhung des verfügbaren Einkommens, etwa durch den Abbau der Arbeitslosigkeit. Die von Präsident Macron angekündigten und zum Teil bereits umgesetzten Reformen könnten dazu beitragen, glaubt Kullas: „Macron hat es geschafft, im Land eine positive Stimmung für seine Reformen zu erzeugen.“ 

Der cep Default-Index misst, wie sich die Fähigkeit eines Landes zur Rückzahlung der Auslandskredite und damit die Kreditfähigkeit entwickelt. Diese hängt nicht nur von der Verschuldung des Staats ab. Ausschlaggebend ist die Solidität der gesamten Volkswirtschaft, insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf den Weltmärkten. Der Index berücksichtigt neben den Staatshaushalten auch das Kreditverhalten der Banken, Unternehmen und Konsumenten. 

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