Gehebelte Kredite steigern Kreditrisiko

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20. November 2017
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Von Paul J. Davies

Einmal mehr schnürt die Finanzbranche in atemberaubendem Tempo riskante Kredite in Gesamtpakete. Vielleicht handelt es sich noch nicht um eine Blase, trotzdem ist Vorsicht geboten. Denn immer mehr Geld fließt in sogenannte gehebelte Kredite. Diese haben die Qualität von Schrottanleihen und werden oft von Banken arrangiert, um Beteiligungsgesellschaften den Hebel zum Kauf von Unternehmen zu geben. Anschließend verkaufen die Banken diese Kredite dann an Investoren weiter. Insbesondere US-Einzelanleger engagieren sich stark in den kreditorientierten Investment- und Indexfonds. Jüngst gab es einige Kapitalabflüsse, aber diese Fonds halten immer noch 97 Mrd. US-Dollar an Investorengeldern. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es laut Lipper weniger als 18 Mrd. Dollar. Versicherer und Pensionsfonds haben ebenfalls kräftig in diese Fonds investiert – sowohl durch spezialisierte Geldmanager als auch durch den Kauf von strukturierten Fonds, die unter der Bezeichnung Collateralized Loan Obligation (CLO) bekannt sind. Das CLO-Volumen in den USA und Europa wird 2017 wahrscheinlich ein Niveau erreichen, das es nur zwei- bis dreimal zuvor gegeben hatte. Angesichts dieser massiven Nachfrage brachen die Zinsen auf solche Kredite ein. In Europa dümpeln sie auf einem Rekordtief vor sich hin und fallen laut S&P Global aktuell noch weiter, und auch in den USA sind sie ausgesprochen niedrig. Die Nachfrage der Investoren übertrifft deutlich das Angebot. Ein Grund: Die Beteiligungsgesellschaften haben momentan Probleme, große Buyouts unter Dach und Fach zu bringen. Und das ist ein beunruhigendes Zeichen.

Schuldner können Konditionen diktieren
Die Fonds, die Investorengelder anlegen müssen, akzeptieren immer günstigere und lockerere Konditionen. Offenbar diktieren die Schuldner derzeit die Bedingungen. Damit könnten sie die Zinssätze nach unten drücken, indem sie sich schnell refinanzieren. Zudem konnten sie gewisse traditionelle Klauseln abwenden, die die Kreditgeber schützen, wenn Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Weniger Klauseln münden meist auch in weniger Zahlungsausfällen, da es weniger Konditionen gibt, gegen die die Kreditnehmer verstoßen können. Doch wenn es nunmehr zu einem Zahlungsausfall kommt, dürfte der Schuldner in einem viel schlimmeren Zustand als früher sein und aus der Konkursmasse weniger herauszuschlagen sein. Diese Kredite – und die CLOs, die in sie investieren – sind traditionell weniger gut handelbar als Wertpapiere wie etwa Firmenanleihen. Diese geringe Liquidität sorgt für einen Renditeaufschlag, den die Investoren nur allzu gern einheimsen. Als solche passen Kredite und CLOs in den generellen Investorentrend hin zu illiquideren Assets, der auf den höheren Renditen beruht. Es gibt aber auch Gründe zur Entspannung. Das Angebot solcher Kredite leidet etwa darunter, dass die US-Finanzaufseher strikte Auflagen machen, wie viele Darlehen bei Buyout-Transaktionen eingesetzt werden dürfen. Derzeit drängt das Weiße Haus auf eine Lockerung dieser Regeln, was den Markt kräftig beflügeln könnte. Das würde das Angebot ebenso erhöhen wie die Risiken. (DJN)

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