Großbanken: Fusions-Gerüchte bleiben Thema

ERM
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14. Januar 2019
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Redaktion RISIKO MANAGER

Das Bundesfinanzministerium zeigt sich offen gegenüber "wirtschaftlich sinnvollen" Fusionen im Bankensektor. Das geht aus einer schriftlichen Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Bettina Hagedorn auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Danyal Bayaz hervor, in die Dow Jones Einblick hatte.

Der Bundestagsabgeordnete hatte sich nach Kontakten zur Deutschen Bank erkundet und wissen wollen, ob es in den Gesprächen auch um eine mögliche Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank gegangen sei. Nach Angaben von Hagedorn hat die Leitungsebene des Finanzministeriums seit Mai monatlich Kontakte zur Deutschen Bank gehabt und strategische Fragen über den Bankensektor diskutiert. "Die Bundesregierung steht wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber", hieß es in der Antwort, aus der die Frankfurter Allgemeine Zeitung zuerst zitiert hatte. "Die operativen und strategischen Entscheidungen bei Aktiengesellschaften sind durch die Organe im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten zu treffen."

In den vergangen Monaten gab es vermehrt Spekulationen über eine mögliche Fusion der schwächelnden Deutschen Bank mit der ebenfalls angeschlagenen Commerzbank, bei der der Bund ein Minderheitsaktionär ist. Das Bundesfinanzministerium wollte sich jedoch nicht dazu äußern, ob die Aussagen als eine Bereitschaft zur Fusion der beiden deutschen Großbanken zu deuten seien. "Mögliche Hindernisse bei Fusionen sind durch die handelnden Organe der jeweiligen Marktteilnehmer zu analysieren. Zu Spekulationen in Bezug auf einzelne Kreditinstitute äußert sich die Bundesregierung nicht", hieß es in dem Antwortschreiben weiter.

Das Ministerium listet aber 23 Kontakte zwischen der Leitungsebene des Hauses und hochrangigen Deutsche-Bank-Vertretern auf. In den meisten Fällen hatte Staatssekretär Jörg Kukies Kontakt zu CEO Christian Sewing oder Aufsichtsratchef Paul Achleitner, entweder in Form von Treffen, Telefonaten oder E-Mails. "Gegenstand der Gespräche sind regelmäßig auch strategische Optionen der jeweiligen Institute und Bewertungen durch die Leitung des Bundesministeriums der Finanzen", hieß es in der Antwort von Hagedorn. Im Ministerium sei man der Ansicht, dass ein starker und solider Bankensektor die nationale wie internationale Entwicklung der deutschen Realwirtschaft unterstütze. 

Minister Scholz hatte Ende Dezember im einem Interview mit der Börsen-Zeitung gesagt, dass Deutschland angesichts der Größe seiner Volkswirtschaft eine Finanzindustrie brauche, die die damit verbundenen Aufgaben auch leisten könne. Dennoch würde man sich keine Unternehmen „zurechtbasteln“. Der Abgeordnete Bayaz hält zwar einen Austausch zwischen Ministerien und Banken für Alltag, betonte aber, dass das Finanzministerium und die Deutsche Bank anscheinend Dauergespräche zu führen scheinen. Zu viel Nähe mache misstrauisch, so Bayaz, der auch Mitglied im Finanzausschuss des Bundestags ist: „Eine staatlich forcierte Fusion ist aus meiner Sicht daher gefährlich.“ Insbesondere, da sie keine strukturellen Probleme löse und möglicherweise noch die „oo-big-too-fail“-Problematik verschärfe. 

Übers Wochenende blieb die mögliche Fusion Gesprächsthema. "Wo Rauch ist, ist auch Feuer", sagte ein Händler am Montagmorgen über die zunehmende Frequenz von Meldungen und Indizien zu diesem Thema. Ob die Gerüchte aber zu Kursgewinnen bei den Aktien führe, sei angesichts der undeutlichen Perspektiven eines fusionierten Instituts unklar: "Zwei Truthähne machen noch keinen Adler", fasste der Händler die Lage zusammen. (DJN) 

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