Herausforderungen für das Geschäftsmodell „Bank“

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05. Januar 2016
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Von Dr. Christian Thun

„Banking ist notwendig, Banken sind es nicht.“ Dieses bekannte Zitat von Bill Gates aus dem Jahr 1994 fasst in prägnanter Weise die Herausforderung zusammen, der sich die Banken­industrie 20 Jahre später gegenübersieht und die im Folgenden näher diskutiert wird.

Natürlich wird es stets einen Bedarf nach Finanzdienstleistungen geben, wie das Einlagengeschäft, die Vergabe von Krediten oder die Abwicklung von Finanztransak­tionen, seien es der Wertpapierhandel oder der Zahlungsverkehr. Allerdings setzt sich weltweit derweilen die Ansicht durch, dass traditionelle Banken nicht die erste Wahl sein müssen, wenn es darum geht, diese Dienstleistungen zu erbringen.

In jeder Volkswirtschaft spielen Banken von jeher die kritische Rolle des Intermediärs zwischen Investoren und Kreditgebern. Sie verbessern die Transparenz zwischen diesen beiden Parteien und übernehmen gegen Entgelt Risiken, die sonst nur schwer zu diversifizieren wären. Darüber hinaus schützen sie die Einlagen der Kunden gegen unvorhergesehene Verluste und unterstützen damit das Wachstum der Wirtschaft (vgl. Allen / Carletti, 2008).

Die Kombination aus technologischem Fortschritt, einem sich ändernden wirtschaftlichen Umfeld und neuem Kundenverhalten schaffen indes eine Umgebung, die das bisherige Geschäftsmodell „Bank“ unterminiert. Die schlechte Nachricht für Banken ist, dass sich diese Veränderungen weiter beschleunigen werden (vgl. Rieker, 2013). Abb. 01 fasst die fünf wesentlichen Herausforderungen zusammen, denen sich die Banken im Moment gegenübersehen und die das Geschäftsmodell am nachhaltigsten beeinflussen werden.

Aber es gibt auch gute Neuigkeiten für die Finanzindustrie. Banken, die den Veränderungen offen gegenüberstehen, können durch Kombination ihrer Erfahrung und Marktstellung mit technischen Innovationen und neuen Dienstleistungen von dieser „Disruption“ direkt profitieren.

Kosten der erweiterten Regulierung
Die laufenden Reformen zur Regulierung von Banken im Nachgang der Finanzkrise zielen darauf, die Stabilität des Finanzsystems als Ganzes zu erhöhen. Für die einzelnen Banken gehen diese einher mit deutlich höheren Kosten und vermehrter Unsicherheit, vor allem für die großen, systemrelevanten Häuser. Gestiegene Kapitalanforderungen erfüllen zwar das Ziel den Finanzsektor zu stabilisieren, aber belasten die Rentabilität erheblich. Zusätzlich zwingen die neuen Vorschriften zur Liquiditätsausstattung, umfangreiche Mittel in risikoarmen, aber niedrig-verzinslichen Anlagen zu halten und auf diesem Weg die Rentabilität weiter zu belasten.

In der Konsequenz haben zahlreiche Institutionen begonnen, sich aus bestimmten Geschäftsbereichen zurückzuziehen, die z. B. nicht zum Kerngeschäft zählen oder zu teuer geworden sind. Darüber hinaus reduzieren zahlreiche Institute ihre internationalen Aktivitäten und konzentrieren sich neben dem Heimatmarkt nur auf einige wenige, als strategisch erachtete Märkte. Um zusätzlich den Anforderungen des Basel-III-Regelwerks gerecht zu werden, müssen Banken beide Seiten ihrer Bilanz aktiv managen und dabei genügend Ertrag erwirtschaften, um die Kapitalkosten zu verdienen. Diese Anstrengung verursacht zusätzliche Kosten durch den Aufbau personeller Kapazitäten, komplexer Datenanalysen und neuer IT-Systeme (vgl. Moody’s Investor Service, 2015). So kommen auf die Banken durch neue regulatorische Anforderungen zur Datenverfügbarkeit (Stichworte: BCBS 239 oder AnaCredit) kurzfristig Kosten in bis zu dreistelliger Millionenhöhe zu (vgl. Hahn, 2014).

Künftig werden die weltweiten Aufsichtsbehörden ein noch engeres Netz an Richtlinien spannen. Banken müssen dementsprechend ihre Geschäftsmodelle weiter anpassen und vor allem in die internen Prozesse und IT-Landschaften und das Datenmanagement weiter investieren, um zeitnah und zu vertretbaren Kosten auf Änderungen in der Regulierungslandschaft reagieren zu können.

Niedrigzinsumfeld begrenzt die Profitabilität
Weltweit haben die Zentralbanken ein Niedrigzinsumfeld geschaffen, mit dem Ziel das Wachstum zu beleben. Eine Strategie, die sich allerdings langfristig negativ auf die Geschäftsmodelle der Bankenwelt auswirken wird. Während zum einem das ungewöhnliche Umfeld die (Re-)Finanzierungsbedingungen für Kreditnehmer wie auch Banken positiv beeinflusst, belastet das niedrige Niveau das Zinsergebnis und die Profitabilität der Banken noch auf absehbare Zeit.

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[Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 01/2016. Die Ausgabe ist seit dem 30. Dezember 2016 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autor
Dr. Christian Thun, Geschäftsführer, European Datawarehouse GmbH.

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