Hohe Haftungsrisiken für Manager bei Firmenpleiten

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24. Mai 2017
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Stefan Hirschmann

Bei Schadensersatzansprüchen aus Unternehmenspleiten halten sich die Insolvenzverwalter in Deutschland zunehmend an die verantwortlichen Manager. Weniger als jedes zweite Unternehmen (44 Prozent) schützt sich aktiv gegen Insolvenzen in Form von Frühwarnsystemen oder Notfallplänen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Kölner D&O-Versicherers VOV GmbH.

Die Mehrheit (57 Prozent) der Geschäftsführer und Vorstände glaubt demnach, dass die meisten D&O-Schadensfälle auf Ansprüche von Insolvenzverwaltern zurückgehen. Das sind deutlich mehr als in den Vorjahren: 2015 sagten das in einer vergleichbaren Umfrage nur 51 Prozent der Manager. Andere Gründe für D&O-Haftungsfälle werden deutlich seltener genannt, beispielsweise dienstvertragliche Auseinandersetzungen (44 Prozent), Unternehmensschaden durch Kalkulationsfehler (33 Prozent), Nichtbeachtung von Compliance-Vorschriften (28 Prozent) oder Ansprüche im Zusammenhang mit Übernahmen und Fusionen (26 Prozent).

Vorstände und Geschäftsführer können für vielfältige Entscheidungen im Vorfeld einer Insolvenz zur Rechenschaft gezogen werden. Der Haftungsfall kann beispielsweise eintreten, wenn verantwortliche Manager noch Rechnungen bezahlen, obwohl das Unternehmen bereits insolvenzreif ist. Auch wenn dem Top-Management nachgewiesen werden kann, dass von ihm getätigte oder genehmigte Geschäfte die Zahlungsunfähigkeit verursacht haben, tritt der persönliche Haftungsfall ein.

„Im Laufe der letzten Jahre ist es zur Gewohnheit geworden, bei Insolvenzen grundsätzlich eine Pflichtverletzung der Manager und damit ihre persönliche Haftung anzunehmen“, sagt VOV-Chef Diederik Sutorius. „Unternehmen müssen sich auch darauf einstellen, dass Haftungsansprüche von Gläubigern gegen das Top-Management immer häufiger juristisch durchgesetzt werden. Gegebenenfalls auch die Haftung der Manager mit ihrem Privatvermögen.“ Dafür reiche, anders als in den meisten europäischen Ländern, einfache Fahrlässigkeit als Verschuldensmaßstab schon aus. Wegen dieser Entwicklung und der sehr hohen Forderungssummen, die im Raum stünden, stelle das Insolvenzrisiko für die Manager und die D&O-Versicherer mittlerweile ein fast systemisches Risiko dar. Insbesondere dann, wenn die Zahl der Insolventen in Deutschland wieder zunehme, so der VOV-Geschäftsführer.

 Zugleich haben der Studie zufolge viele Unternehmen bisher keine Vorkehrungen zur Insolvenzvermeidung getroffen. Ein Notfallplan existiert in 44 Prozent, ein Frühwarnsystem in 31 Prozent der Unternehmen. 26 Prozent der Befragten vertrauen darauf, dass sie rechtzeitig von ihrem Steuerberater gewarnt werden. Fast genauso viele Manager (24 Prozent) sind sicher, dass ihre Bank sie nicht fallen lassen würde. Die Mehrheit der Geschäftsführer ist dabei grundsätzlich bereit, Risiken in Kauf zu nehmen: 60 Prozent würden sich auch künftig bei einer geschäftlichen Entscheidung von den wirtschaftlichen Chancen für ihr Unternehmen leiten lassen. Dafür wären sie auch bereit, Compliance-Vorschriften zurückzustellen. Allerdings hat die Risikobereitschaft etwas abgenommen. 2015 hatten noch 66 Prozent der Manager diese Aussage gemacht.