Hohe Kreditrisiken in der Schiffsfinanzierung

ERM
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22. Mai 2013
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Von Alexandra Edinger

Die Altlasten aus der Finanzkrise und die voraussichtlich noch bis 2015 andauernde Restrukturierung belasten auch weiterhin das Ergebnis der HSH Nordbank. Das Institut geht davon aus, dass rund die Hälfte aller an die Schifffahrt ausgereichten Kredite mit Risiken behaftet sind. Die Schifffahrtsbranche geht inzwischen in das fünfte Krisenjahr.

22.5.2013 (DJN). Die Altlasten aus der Finanzkrise und die voraussichtlich noch bis 2015 andauernde Restrukturierung belasten auch weiterhin das Ergebnis der HSH Nordbank. Trotzdem stehen im ersten Quartal unter dem Strich schwarze Zahlen: Der Konzerngewinn beläuft sich nach vorläufigen Zahlen auf rund 73 Millionen Euro, wie Konzernchef und Risikomanager Constantin von Oesterreich bei einer Veranstaltung verriet. Der HSH-Chef zeigte sich mit den bereits erzielten Restrukturierungserfolgen zufrieden und sieht die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein auf einem guten Weg, auch wenn er für das Gesamtjahr weiterhin einen Verlust erwartet. Zwar fällt das Konzernergebnis niedriger als im ersten Quartal 2012 aus, als die Bank einen Gewinn von 128 Millionen Euro aufweisen konnte. Allerdings hatte die HSH damals zur Stärkung des Kernkapitals einen Rückkauf von Anleihen durchgeführt und der führte zu Sondererträgen von 261 Millionen Euro, was sich auch positiv auf die Gewinnsituation der Landesbank auswirkte. Mit der Umsetzung der Auflagen der EU-Kommission und somit der Restrukturierung kommt die Bank nach Angaben ihres Chefs voran. Während der Finanzkrise war die Landesbank, die weltweit zu den größten Schiffsfinanzierern gehört, fast gekentert. Durch Milliarden an Kapitalspritzen sowie weitreichende Garantien der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein konnte sie vor dem Untergang bewahrt werden. Im Gegenzug für die Hilfen verlangte die EU-Kommission jedoch unter anderem eine Schrumpfung der Bilanzsumme auf 120 Milliarden Euro bis Ende 2014. Davon dürfen 82 Milliarden auf die Kernbank und 38 Milliarden auf die interne Bad Bank entfallen.

Das Ziel ist fast erreicht: Wie der HSH-Chef erläuterte, ist die Bilanzsumme zum Ende des ersten Quartals auf 125 Milliarden Euro gesunken. Davon liegen rund 50 Milliarden Euro in der Bad Bank. Insgesamt sitzt die Bank noch auf einem Berg von 27 Milliarden Euro an Schiffsfinanzierungen, davon sind Kredite im Wert von 10 Milliarden Euro in der Bad Bank. Von Oesterreich geht weiterhin davon aus, dass insgesamt rund die Hälfte aller an die Schifffahrt ausgereichten Kredite mit Problemen behaftet sind. Die Schifffahrtsbranche geht inzwischen in das fünfte Krisenjahr. Im Zuge der schleppenden Konjunkturentwicklung lahmt auch der weltweite Warenaustausch. In der Folge werden weniger Güter über die Weltmeere transportiert. Viele Schiffe sind deswegen nicht ausgelastet, was wiederum den Eignern Probleme bereitet, weil sie ihre Bankkredite nicht mehr bezahlen können oder gar eine Insolvenz befürchtet werden muss. Mit der schlechten Marktlage hat die ganze
Schifffahrtsbranche zu kämpfen. Im Gegenzug wirkt sich diese Krise dann auch direkt auf die finanzierenden Banken aus. Zum kürzlich gestarteten Prozess gegen ehemalige Vorstände der HSH wegen des Vorwurfs der Untreue und Bilanzfälschung wollte sich von Oesterreich nicht äußern.