Holistische Bilanzoptimierung: Anforderungen an Prozesse und Infrastruktur

-
08. Juni 2017
-
Von Erik Lüders, Christian Müller, Michael Pieper, James Weber, Christian Vogel

Signifikant gestiegene regulatorische Anforderungen an Kapital, Liquidität, Organisation, Governance und Conduct stellen Finanzinstitute vor große Herausforderungen. Hinzu kommt ein herausforderndes und unsicheres ökonomisches und politisches Umfeld. Auch die weitere Entwicklung der Regulierung ist mehr denn je unklar. Banken aber auch Versicherungsunternehmen müssen hierauf reagieren. Insbesondere die führenden internationalen Banken haben vor diesem Hintergrund signifikant in ihre strategische Planung und Optimierung der Geschäftsmodelle investiert. Dieser Trend setzt sich weiter fort. In diesem Artikel beschreiben wir die wesentlichen Hebel, die Finanzinstitute zur Verbesserung der Planung und der Geschäftsmodelloptimierung ziehen können.

Das traditionelle Geschäftsmodell der meisten Banken wird durch vier Kräfte bedroht
Im gegenwärtigen ökonomischen und regulatorischen Umfeld wird das traditionelle Geschäftsmodell der meisten Banken durch vier Kräfte bedroht: weitere regulatorische Kapital- und Strukturanforderungen, ein stagnierendes makroökonomisches Wachstum und anhaltendes Niedrigzinsumfeld in Europa, ein sich änderndes Wettbewerbsumfeld, getrieben durch Innovationen im digitalen Umfeld, sowie politisch-induzierte Unsicherheit. Die holistische Bilanzoptimierung stellt ein wichtiges Instrument der Banken zur Adjustierung und Anpassung sowie zur strategischen Neuausrichtung ihres Geschäftsmodells dar. Vor diesem Hintergrund verbessern die meisten Banken entsprechende Fähigkeit, Prozesse und Infrastruktur.
Im regulatorischen Umfeld sehen sich die Banken – trotz der bereits in den letzten Jahren massiv gestiegenen Anforderungen – weiter zunehmenden Kapitalanforderungen und zusätzlichen strukturellen Maßnahmen gegenüber. Weiter wachsende Anforderungen an Kapital und Liquidität ergeben sich dabei vor allem aus den Anforderungen aus FRTB (Fundamental Review of the Trading Book) sowie der in Konsultation befindlichen Revision der „Capital Requirement Directive and the Capital Requirement Regulation“ (CRD IV/ CRR II).

Die vorgeschlagenen Änderungen sollen erwartungsgemäß frühestens 2019 in Kraft treten. Marktteilnehmer gehen von Auswirkungen auf die Anforderungen an das harte Kernkapital von +10 Prozent bis +20 Prozent aus. Kapitalseitig wird das CRD IV/CRR II Regime dabei insbesondere das Level der Risikoaktiva aus Handelsaktivitäten und bestimmten Positionen stark erhöhen und Großkreditgrenzen verschärfen. Außerdem erlangen die FRTB Bank- und Handelsbuch Klassifizierungs- und Transferstandards, längere Liquiditätshorizonte und konservative Bewertungsstandards ihre Gültigkeit. Veränderte Anforderungen an Counterparty Credit Risk implizieren niedrige Anforderungen aus Positionen mit zentralen Counterparties sowie höhere Anforderungen an nicht-geclearte Verträge aus bilateralen Positionen. Hinzu kommen zwei neue Kapitalstandards, die Leverage Ratio (und mögliche Aufschläge für systemkritische Institute) und die Total Loss Absorbing Capacity (TLAC).

Liquiditätsseitige Anforderungen umfassen die Einführung der Net Stable Funding Ratio (NSFR) zur Beschränkung von Laufzeitinkongruenzen und bestimmten Finanzierungsquellen, wie beispielsweise ungesicherte, kurzfristige Einlagen institutioneller Kunden. Hinzu kommen bereits in Kraft getretene Regulierungen mit strukturellen Auswirkungen auf Finanzinstitute wie das neue Abwicklungsregime. Demzufolge unterliegen alle europäischen Banken dem vollen Abwicklungsregime (inklusive Bail-in) des SRM (Single Resolution Mechanism). So haben Abwicklungsbehörden signifikanten Einfluss, Änderungen am Geschäftsmodell bzw. an der Verlustabsorptionskapazität (in Form von MREL, Minimum Requirement for Eligible Liabilities) von Banken zu fordern, um die Abwicklungsfähigkeit der Institute zu gewährleisten. Über diese bereits relativ konkreten weiteren Anforderungen hinaus gibt es zahlreiche weitere Diskussionen im Rahmen von „Basel IV“, welche zu deutlichen Erhöhungen in den Kapitalanforderungen führen könnten. Auch die Einführung von IFRS 9 wird einen signifikanten Einfluss auf Eigenkapital und Profitabilität haben.
Das makroökonomische Umfeld ist geprägt durch gedämpfte Wachstumsraten in Europa, eine Geldpolitik der niedrigen Zinsen, Verzerrungen bei den Bewertungen, beispielsweise von Immobilienpreisen, aber auch am Aktienmarkt sowie niedrige Risikokosten. (...)

[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 06/2017. Die Ausgabe ist seit dem 31. Mai 2017 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.] 

 

Autoren:
Dr. Erik Lüders,
Partner, Advisory EMEIA Financial Services, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Dr. Michael Pieper, Senior Manager, Advisory EMEIA Financial Services, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Christian Müller, Executive Director, Advisory EMEIA Financial Services, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
James Weber, Consultant, Advisory EMEIA Financial Services, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Christian Vogel, Consultant, Advisory EMEIA Financial Services, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Artikelbild: ©merc67 / iStockphoto.com