Insolvenzstatistik: Kreditrisiken in Deutschland sinken

-
28. Juni 2011
-
Von Stefan Hirschmann

Das dynamische Wirtschaftswachstum hat der finanziellen Stabilität der Unternehmen gut getan. Durch den kraftvollen Aufschwung gehen die Insolvenzzahlen spürbar zurück. Im ersten Halbjahr 2011 haben 14.960 Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt. Das sind 11,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

DÜSSELDORF, 27.6.2011. Das dynamische Wirtschaftswachstum hat der finanziellen Stabilität der Unternehmen gut getan. Durch den kraftvollen Aufschwung gehen die Insolvenzzahlen spürbar zurück. Im ersten Halbjahr 2011 haben 14.960 Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt. Das sind 11,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (16.820). Diese Zahlen präsentierte jetzt der Verband der Vereine Creditreform. Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist rückläufig, mit minus 5,1 Prozent aber weniger stark als bei den Unternehmen. 51.300 Verbraucher erklärten in den ersten sechs Monaten 2011 ihre Zahlungsunfähigkeit. In der Vorjahresperiode waren es noch 54.070. "Die deutsche Wirtschaft musste in der Krise vergleichsweise wenig Federn lassen und hat mittlerweile wieder das Vorkrisenniveau erreicht", so Creditreform-Chef Helmut Rödl vor Journalisten im Düsseldorfer Industrieclub. Der Wirtschaftsaufschwung habe sichtbar positive Auswirkungen auf das Insolvenzgeschehen. 

Gleichwohl ist die Nachfrage nach einem Schuldenbereinigungsverfahren für Verbraucher unverändert hoch. Nach 2007 und 2010 wurde im laufenden Jahr der dritthöchste Wert seit Einführung der Insolvenzordnung (InsO) im Jahr 1999 festgestellt. Bisher hat erst ein geringer Teil der insolventen Verbraucher den Weg aus den Schulden gefunden. Rund 20.000 Deutsche hatten bis zum Jahresende 2010 ihre Wohlverhaltensphase, also die Bedienung der Gläubiger im Rahmen der verabredeten Pläne, erfolgreich absolviert und die Restschuldbefreiung erhalten. Zum Vergleich: Seit 1999 wurden mehr als 700.000 Privatinsolvenzen verzeichnet.

Im Nachbarland Österreich bestätigt sich dieser Trend dagegen nicht. Im ersten Halbjahr 2011 sind dort die eröffneten Schuldenregulierungsverfahren um rund 8 Prozent gestiegen. Die hochgerechneten Zahlen der Auskunftei KSV 1870 zeigen, dass fast 5.000 Menschen in Österreich Anstrengungen unternommen haben, ihre Schulden zu regulieren und ihren Gläubigern gleichmäßige Quoten zu bezahlen. Das ist ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2010. Nach zwei Jahren der Stagnation nehmen die beantragten und eröffneten Verfahren zur Schuldenregulierung damit wieder deutlich an Fahrt auf. 

Gemessen an der Bevölkerung gibt es insolvenzstarke (Wien, Vorarlberg Kärnten) und insolvenzschwache Regionen (Burgenland, Steiermark, Niederösterreich). Private Zahlungsunfähigkeit ist ? so wie Zahlungsprobleme generell ? eher ein Großstadtphänomen. Durch die dortige Anonymität einerseits und die Dichte der Finanzdienstleister anderseits findet eine Verschuldung über den Rand des Erträglichen offenbar leichter statt als im ländlichen Raum. Auch ist in der Stadt der finanzielle und familiäre Rückhalt der Kreditnehmer deutlich geringer.  

Der volkswirtschaftliche Schaden durch Insolvenzen beläuft sich allein in Deutschland in den ersten sechs Monaten 2011 auf 10,4 Milliarden Euro, schätzungsweise 110.000 Arbeitsplätze sind bedroht. In der diesjährigen Insolvenzstatistik von Creditreform finden sich mehr kleine Firmen, aber auch mehr größere Unternehmen, die allerdings nur in wenigen Fällen überregional bekannt sind. In acht von zehn der insolventen Unternehmen waren höchstens fünf Mitarbeiter tätig. Mehr als 50 Beschäftigte gab es lediglich in zwei Prozent der Fälle; verglichen mit dem Vorjahreszeitraum (1,7 Prozent) ein geringfügiger Anstieg.