Investoren gehen ins Risiko – Angst vor neuem Black Monday

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20. Oktober 2017
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Von Gunjan Banerji

In den USA fürchten die Marktteilnehmer zunehmend Börsenturbulenzen und gar eine neue Finanzkrise. Um sich davor zu schützen sind bereits mehr als 2 Bio. US-Dollar in Short-Handelspositionen geflossen. Solche Geschäfte können einen Einfluss auf entstehende Marktturbulenzen haben, werden von ihnen aber auch selbst beeinflusst. Sie könnten aber auch durchaus nach hinten losgehen und den achtjährigen Aufschwung an den Weltbörsen schwer gefährden. Zu den entsprechenden Taktiken zählen Optionsscheinverkäufe der weltgrößten Pensionsfonds- und Asset-Manager und daneben auch der Kauf von Indexfonds (ETFs) auf den Volatilitätsindex Vix oder sogar Vix-Futures. Indexfonds, mit denen auf eine Zunahme der Volatilität spekuliert wird, gehören zu den riskantesten Finanzprodukten. Manche Anleger könnten schwer getroffen werden, sofern der Vix plötzlich in die Höhe schießt, argumentiert der Gründer von Artemis Capital, Christopher Cole.

 

 

Schreckgespenst Hypercrash
Eine anerkannte Handelsstrategie besteht darin, Volatilität zur Grundlage von Investmententscheidungen zu machen. Hier gibt es beispielsweise sogenannte Risiko-Paritäts-Strategien, die darauf setzten, dass sich Anleihen und Aktien in unterschiedliche Richtungen bewegen. Doch steigen oder fallen sie im Gleichklang, gingen womöglich Investments in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar in die Binsen, sagte Cole. Der Finanzmarktexperte warnt sogar davor, dass wegen solcher Investmentstrategien über Rückkopplungseffekte durch eine steigende Volatilität ein Hypercrash ausgelöst werden könnte. Sollte dieser Fall tatsächlich eintreten, gebe es keinerlei Grenzen, bis wohin die Volatilität emporschnellen könne. Cole verweist darauf, dass eine solche Situation auf den Tag genau vor 30 Jahren am Black Monday einsetzte. Der Dow-Jones-Index stürzte damals um 22,6 Prozent ab und wurde dabei von zahlreichen Faktoren getrieben, die auch heute am Markt bestehen.

Selbst IWF lässt Alarmglocken schrillen
Artemis ist kein einsamer Warner. So sieht der Internationale Währungsfonds (IWF) die derzeit niedrige Volatilität als einen Beleg dafür, wie sehr das Finanzsystem momentan gefährdet ist. Die Argumentation: Wenn es an der Börse ruhig ist, gehen die Investoren immer stärker ins Risiko. Sie verschulden sich auch deutlich höher, was die Kursausschläge nach oben oder unten erheblich beschleunigt. Ironischerweise sollten Volatilitäts-Handelsstrategien eigentlich das Auf und Ab des Portfolios auf ein gewisses Niveau eindämmen helfen. Doch in Wirklichkeit könnten sie schwere Verwerfungen und Verkaufswellen auslösen – wie etwa im August 2015 beim Flash-Crash, als ein Kursabsturz in China für Handelsaussetzungen in den USA sorgte. Laut IWF könnten hinter bis zu 500 Mrd. Dollar in US-Aktieninvestments Volatilitäts-Handelsstrategien stecken. Und im Fall von Marktturbulenzen dürfte demnach diese Summe noch weiter nach oben schnellen. Cole rechnet mit genau solch einer Gefahr, sobald die Zentralbanken rund um den Globus ihre Leitzinsen heraufsetzen. Ultraniedrige Zinssätze, Schuldenausweitungen und auf Volatilität bauende Investmententscheidungen könnten die Marktschwankungen verschlimmern, fürchtet Cole. Und die Anleger würden die Wahrscheinlichkeit gar nicht einpreisen, dass Kursausschläge bald plötzlich rasant an Fahrt gewinnen. (DJN)

 

 


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