Kontroverse über Risikoreduzierung durch Trennbankensysteme

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16. Oktober 2012
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Von Stefan Hirschmann

Banken bergen ein latentes Risiko, durch verantwortungslose Investmentstrategie, durch mangelnde Risikosensibilität und unzureichende Kontrollen andere Finanzmarktteilnehmer in Mitleidenschaft zu ziehen. Insbesondere die Umsetzung der Absicherungsstrategien einzelner Institute bedarf einer stärkeren aufsichtsrechtlichen Prüfung, um das internationale Finanzsystem nicht zu destabilisieren.

KÖLN, 16.10.2012. Banken bergen ein latentes Risiko, durch verantwortungslose Investmentstrategie, durch mangelnde Risikosensibilität und unzureichende Kontrollen andere Finanzmarktteilnehmer in Mitleidenschaft zu ziehen. Insbesondere die Umsetzung der Absicherungsstrategien einzelner Institute bedarf einer stärkeren aufsichtsrechtlichen Prüfung, um das internationale Finanzsystem nicht zu destabilisieren. ?Nicht selten handelt es sich bei diesen Aktivitäten nicht um die Schließung offener Risikopositionen, sondern um das gezielte Eingehen neuer Risikopositionen. Zuletzt hatten Einheiten in größeren Banken, deren Aufgabe gerade die Absicherung und damit die Glattstellung von Risiken gewesen ist, Schadensfälle erst verursacht?, meint Dr. Thomas A. Lange, Vorsitzender des Vorstandes der National-Bank AG und Chef der Bankenvereinigung NRW, der sich in der Vergangenheit stets gegen ein Trennbankensystem und damit gegen die so genannte Volcker Rule ausgesprochen hat. Aufgrund der mangelnden Risikosensibilität einzelner Marktteilnehmer und der damit einhergehenden Vernichtung der Vermögen ihrer Anteilseigner bewertet er die Szenarien einer möglichen Kontrollnotwendigkeit heute allerdings etwas anders. Es gehe nicht um ein »too big to fail«, sondern schlicht um die Erkenntnis, dass die Institute »too big to control« und ihre Handelsaktivitäten »to complex to control« seien, so Lange. Ist ein Trennbanksystem vor diesem Hintergrund ein Zukunftsmodell für die internationale Finanzindustrie?

"Deutschland braucht kein Trennbankensystem", sagt dagegen Andreas Schmitz, Präsident des Bankenverbandes. Bankenstruktur und -größe seien für die System¬stabilität nicht maßgeblich. Vielmehr komme es darauf an, die bereits beschlossenen Vorsorgemaßnahmen nun auch sorgfältig umzusetzen. Dazu zählen die bereits beschlossenen erhöhten Eigenkapitalanforderungen für systemrelevante Institute ebenso wie die Pflicht dieser Institute ein so genanntes Banken-Testament vorzulegen. "Eine durch das Gesetz vorgegebene Aufspaltung, sei es durch ein Ring-Fencing, eine Holding-Struktur oder eine Abspaltung des Eigenhandels, wie sie die Liikanen-Gruppe vorschlägt, würde nicht zu mehr Stabilität im Finanzsystem beitragen", meint Schmitz. Erstens würden damit nicht die Ursachen der Finanzmarktkrise von 2008 angesprochen und zweitens würde es nicht gelingen, Teile des Bankensystems von systemischen Risiken zu befreien. Zu eng seien im alltäglichen Bankgeschäft das Commercial Banking und das Investmentbanking miteinander verwoben, so Schmitz. Beide ergänzen sich in der Praxis in sinnvoller Weise, so dass eine Abkehr vom Universalbankensystem daher zu erheblichen Finanzierungsnachteilen für die deutsche Wirtschaft führen würde.

Die Branche ist sich also uneins, welche Konsequenzen im Detail aus der jüngsten Finanzkrise zu ziehen sind. Doch der Finanzmarkt spielt künftig so oder so nach neuen Regeln. "Jedes Produkt, jeder Finanzplatz und jeder Finanzmarktakteur ist davon betroffen?, betont Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gerade die Finanzmärkte bräuchten einen ordnenden Rahmen, um wieder ihre dienende Funktion erfüllen zu können. Die Bundesregierung versteht sich dabei als Motor, der internationale Finanzmarktregelungen in Europa und in der Welt vorantreibt. Ihre Politik zur Neuordnung der Finanzmärkte richtet sich nach fünf Grundsätzen:

1. Der Haftung wieder Geltung verschaffen
Wer Gewinnchancen hat, muss auch die damit verbundenen Risiken tragen. Deswegen will die deutsche Umsetzung von Basel III ab 2013 das haftende Kapital der Banken stärken. Zudem soll die Bezahlung der Bankmanager so geregelt werden, dass sie einen Anreiz zum nachhaltigen Wirtschaften darstellt.

2. Das Finanzsystem krisenfester machen
Eine Schieflage einzelner Banken oder die kurzlebigen Moden vieler Investoren dürfen nicht dazu führen, dass das ganze Finanzsystem wackelt und der Staat erpressbar wird. Deswegen hat die Bundesregierung mit dem Restrukturierungsgesetz Regeln für die Sanierung oder Abwicklung konkursgefährdeter großer Banken eingeführt. Sie will außerdem für eine Kontrolle des gefährlichen Hochfrequenzhandels zwischen fehleranfälligen Computern sorgen.

3. Transparenz der Märkte und Produkte erhöhen
Um Risiken von Finanzinnovationen für die Gesamtwirtschaft zu reduzieren, soll  der außerbörsliche Handel national und auf europäischer Ebene reguliert und mehr Geschäfte auf transparente Börsen gezogen werden. Die Bundesregierung setzt sich darüber hinaus für eine konsequente Regulierung von Schattenbanken ein. Besonderen Wert legt die Bundesregierung auch auf den Verbraucherschutz. Sparer und Anleger sollen durch verschiedene Maßnahmen künftig besser gegen Risiken geschützt werden.

4. Verursacher an den Kosten der Krise beteiligen
Es widerspricht jedem Gerechtigkeitsempfinden, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren. Die Bundesregierung beteiligt daher Banken mit der Bankenabgabe an der Finanzierung möglicher Hilfsmaßnahmen. Die Bundesregierung setzt sich darüber hinaus auch in Europa für eine Finanztransaktionssteuer ein.

5. Die Aufsicht durchsetzungsstärker machen
Die besten Regeln sind vergeblich, wenn niemand sie mit Nachdruck durchsetzt. Daher will die Bundesregierung die nationale Finanzmarktaufsicht verstärken und die europäische Bankenaufsicht verbessern.

 

Veranstaltungs-Tipp:

Do., 25.10.2012 in Düsseldorf
Trennbankensystem: Ein Zukunftsmodell der Finanzwirtschaft
Vortrag von Herrn Prof. Dr. Thomas A. Lange, Vorsitzender des Vorstands der National-Bank AG und Vorstand der Bankenvereinigung NRW

Düsseldorf, 18:00 Uhr
InterContinental Düsseldorf
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