Kreditrisiken brechen Banco Popular Español das Genick

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07. Juni 2017
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Stefan Hirschmann

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Kapitel Banco Popular Español beendet und den einheitlichen Abwicklungsmechanismus (SRM) aktiviert. Angesichts der schlechten Liquiditätslage ist die spanische Bank nicht mehr in der Lage, ihre Schulden zu bedienen.

Bankenrettung in Spanien: Auf Intervention der europäischen Bankenabwicklungsbehörde SRM übernimmt die Großbank Santander die Banco Popular Español S.A. zum symbolischen Preis von 1 €. Den Stein dafür ins Rollen brachte die Europäische Zentralbank (EZB), indem sie die von hohen Kreditausfällen belastete Krisenbank für gescheitert erklärte. Es war das erste Mal, dass die Notenbank als Bankenaufsicht einen solchen Schritt unternahm und die Banco Popular Español S.A. als ausfallend oder wahrscheinlich ausfallend im Sinne von Artikel 18 Absatz 1 der Verordnung (EU) Nr. 806/2014 zum einheitlichen Abwicklungsmechanismus (SRM-Verordnung) klassifizierte. Angesichts der erheblichen Verschlechterung der Liquiditätslage der Bank in den vergangenen Tagen gelangte die EZB zu der Auffassung, dass diese in naher Zukunft nicht mehr in der Lage sein würde, ihre Schulden oder sonstige Verbindlichkeiten bei deren Fälligkeit zu bedienen.

Santander will im Sommer mit Hilfe einer Kapitalerhöhung 7 Mrd. € einsammeln, um die Bilanz der sechstgrößten Bank Spaniens zu bereinigen. Während die großen Banken Spaniens nach der Immobilienkrise inzwischen wieder auf einem soliden Fundament stehen, war Banco Popular Espanol mit rund 4 Millionen Kunden und 37 Mrd. € an Hypothekenausfällen und anderen notleidenden Vermögenswerten zuletzt eine Schwachstelle im Bankensystem des Landes. Am Finanzmarkt hatte sich deshalb zuletzt massiv die Sorge breit gemacht, die Bank werde nicht in der Lage sein, ihre Probleme zu lösen und neues Kapital oder einen Käufer zu finden. Das zeigte sich deutlich im Aktienkurs, der allein in der vergangenen Woche um mehr als 50 Prozent eingebrochen war.

Nach einem nächtlichen Auktionsverfahren übertrug die Bankenabwicklungsbehörde SRM daraufhin alle Aktien und Kapitalinstrumente der Banco Popular auf Santander. Banco Popular kann damit ihr Geschäft ohne Unterbrechung fortsetzen. Die Europäische Kommission erklärte in einer eigenen Stellungnahme, im Zuge der Rettungsaktion flössen keine Steuergelder. Der europäische Bankenriese Santander rückt mit der Übernahme auch auf dem heimischen Markt an die Spitze vor: Mit zusammen 17 Millionen Kunden liege sie sowohl nach Einlagen als auch nach Krediten auf Platz eins, heißt es in einer Pressemitteilung.

Banco Popular ist besonders stark im Kreditgeschäft mit kleinen und mittelständischen Unternehmen in Spanien. An diesem Geschäft hatten verschiedenen Banken Interesse gezeigt, weil ihr angestammtes Hypothekengeschäft auch Jahre nach der Immobilienkrise nicht gut läuft. Überdies übernimmt Santander auch die portugiesischen Aktivitäten der Krisenbank. Santander erwartet aus der Übernahme jährliche Einsparungen von 500 Millionen Euro bis zum Jahr 2020. Dann sei eine Eigenkapitalrendite von 13 bis 14 Prozent zu erwarten. Bereits 2019 werde die übernommene Bank positiv zum Ergebnis beitragen.

Für die Kreditrisiken von Banco Popular stellt Santander zusätzliche 7,9 Milliarden Euro an Vorsorge bereit. Die Risikoabdeckung für Immobilienkredite und andere notleidende Kredite steige damit auf 69 Prozent. Mit bisher 45 Prozent Risikoabdeckung stand Banco Popular bisher am schwächsten unter den großen spanischen Kreditinstituten dar. Mit der geplanten Kapitalerhöhung sorgt Santander dafür, dass die Übernahme für sie Kernkapital-neutral ausfällt. Binnen drei Jahren will Santander das Volumen der notleidenden Assets bei ihrer neuen Bankentochter so herunterfahren, dass es als "unwesentlich" bezeichnet werden kann.