Managerboni: Der ungezügelten Gier entgegentreten

-
05. März 2013
-
Von Stefan Hirschmann, Susann Kreutzmann und Stefan Lange

Während Europa heiß über die Höhe der Managementgehälter und Abfindungen diskutiert, wird in Amerika weiterhin fürstlich gezahlt. Der Chef des Traditionskonzerns Heinz hat im Zuge des Eigentümerwechsels die Option auf einen goldenen Handschlag: Sollte CEO William Johnson an der Konzernspitze abgelöst werden, dann kann sich der Manager mit mehr als 200 Millionen Dollar zur Ruhe setzen.

DÜSSELDORF, 4.3.2013. Während Europa heiß über die Höhe der Managementgehälter und Abfindungen diskutiert, wird in Amerika weiterhin fürstlich gezahlt. Der Chef des Traditionskonzerns Heinz hat im Zuge des Eigentümerwechsels die Option auf einen goldenen Handschlag: Sollte CEO William Johnson an der Konzernspitze abgelöst werden, dann kann sich der Manager mit mehr als 200 Millionen Dollar zur Ruhe setzen. Der US-Ketchuphersteller Heinz steht derzeit für 28 Milliarden Dollar vor einem Besitzerwechsel. Der Investor Warren Buffett will den Nahrungsmittelproduzenten gemeinsam mit dem Finanzinvestor 3G Capital übernehmen. Die Zahlungen an Johnson würden sich aus einem "Rettungsschirm" inklusive Bonuszahlungen von 56 Millionen Dollar zusammensetzen, aus 57 Millionen Dollar für die Pensionskasse sowie aus Heinz-Aktien im Wert von 99,7 Millionen Dollar, die der Manager dann besitzt oder kontrolliert. Ein Teil dieser Aktien hat er sich im Laufe seiner 30-jährigen Unternehmenszugehörigkeit verdient. Dabei ist das Geldkissen für Johnson auch nach amerikanischen Verhältnisse zwar üppig, aber noch kein Rekord. Laut einem 2012 verfassten Bericht der Beraterfirma Governance Metrics International gab es sechs andere Manager, die sogar noch mehr als die nun geplanten 200 Millionen Dollar an Abfindungen und Vergütungen mit nach Hause genommen haben.

In Europa kocht derweil die Diskussion über die Begrenzung von Managementgehältern und Abfindungen hoch, nachdem sich die Schweizer jetzt in der so genannten "Abzocker"-Volksabstimmung für eine Deckelung der Zahlungen ausgesprochen haben. Künftig stimmen nun die Aktionäre börsennotierter Unternehmen in der Schweiz jedes Jahr über die Vergütung der Chefs ab. Bisher war das Sache der Verwaltungsräte. Antritts- und Abgangszahlungen werden verboten. Auftrieb hatten die Initiative jüngst durch Novartis und ihren ehemaligen Chef Daniel Vasella erhalten, der nach seinem Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat üppige Bezüge erhalten sollte. Stein des Anstoßes war das umstrittene Abfindungsangebot an Vasella, der als Berater 72 Millionen Franken (59 Millionen Euro) verteilt über sechs Jahre kassieren sollte. Der Pharmariese wollte Vasella an sich binden, um eine Abwanderung zur Konkurrenz zu verhindern.
Laut NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft prüft die Bundesregierung eine ähnliche Initiative, sieht aber gegen überzogene Managergehälter keinen akuten Handlungsbedarf in Deutschland. "Der ungezügelten Gier muss entgegen getreten werden", so Kraft vor Mitgliedern der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Nordrhein-Westfalen (WPV). Zwar könne der Gesetzgeber nicht in einzelvertragliche Beziehungen eingreifen, erforderlich sei aber eine grundsätzliche Rückbesinnung auf die Werte einer sozialen Marktwirtschaft. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies darauf, dass die EU-Kommission bis Jahresende einen Vorschlag vorlegen wolle, wonach die Aktionäre über die Vergütung der Spitzenmanager zu entscheiden haben. Gleichzeitig verwies er darauf, dass bereits im Gesamtpaket zur Bankenregulierung Basel III Beschlüsse zur Begrenzung von Boni bei Bankern gefasst worden seien. Die EU-Mitgliedsländer und das Europäische Parlament haben sich auf einen vorläufigen Kompromiss geeinigt, die Höhe der Banker-Boni zu begrenzen. Demnach soll der Jahresbonus das Festgehalt in der Regel nicht mehr überschreiten dürfen. Stimmt aber die große Mehrheit der Anteilseigner einer Bank auf der Hauptversammlung öffentlich dafür, kann der Jahresbonus höchstens doppelt so hoch sein wie das Festgehalt. Schwer tun sich mit dem Vorhaben vor allem die Briten. Großbritannien fürchtet Nachteile für die Londoner City gegenüber anderen bedeutenden Finanzplätzen.