MaRisk-Novelle forciert Risikoreporting

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19. Februar 2016
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Redaktion RISIKO MANAGER

Mit der am 18. Februar eingeläuteten MaRisk-Überarbeitung sollen u. a. die Inhalte des Baseler Papiers BCBS 239 zur Risikodatenaggregation und zur Risikoberichterstattung in die nationale Aufsichtspraxis übernommen werden. Hierfür ist ein neue Modul (AT 4.3.4) integriert worden. Erklärtes Ziel der Bankenaufsicht ist es, die IT-Infrastruktur der großen, systemrelevanten Institute dahingehend zu verbessern, dass eine umfassende, genaue und zeitnahe Aggregation der Risikopositionen eines Instituts ermöglicht wird und diese Informationen zeitnah für das Berichtswesen der Bank zur Verfügung gestellt werden können.

Diese Zielsetzung speist sich insbesondere aus den während der Finanzkrise gemachten Erfahrungen der Aufsichtsbehörden, dass Institute oftmals kaum in der Lage waren, Informationen zu Gesamtexposures gegenüber bestimmten Adressen und in bestimmten Produkten innerhalb eines möglichst kurzen Zeitraums zu generieren.

Als Folge davon konnten Institute bisweilen nicht schnell genug auf kritische Entwicklungen reagieren, da aktuelle, belastbare Zahlen fehlten. Zudem hat sich gezeigt, dass die teilweise erst nach Wochen zur Verfügung stehenden Informationen nicht hinreichend qualitätsgesichert waren. Genau an dieser Stelle setzt das Papier des Baseler Ausschusses an, wobei die Fähigkeit zur umfassenden, genauen und zeitnahen Aggregation von Risikopositionen vor allem dem Zweck dient, den jeweiligen Entscheidungsträgern entscheidungsrelevante Daten und Informationen über das institutsinterne Berichtswesen an die Hand zu geben. Außerdem sollen manuelle Eingriffe bei der Aggregation der Risikodaten möglichst auf das absolut Notwendige reduziert werden. Zwar ist der Bankenaufsicht nach eigenem Bekunden klar, dass der Um- und Ausbau der IT-Systeme bei den betroffenen Banken zu erheblichen Anstrengungen führen wird. Gleichwohl soll im Ergebnis eine deutlich verbesserte Berichterstattung stehen, die der Finanzmarktstabilität als Ganzes substanziell entgegenkommt.

BCBS 239 richtet sich ausschließlich an große und komplexe Kreditinstitute. Im Rahmen der MaRisk 6.0 wird seitens der Aufsicht nun auch an andere Institute appelliert, die Datenaggregationskapazitäten weiter zu verbessern und auszubauen. Jene Inhalte von BCBS 239, die sich explizit mit dem Risikoreporting befassen, werden im neuen Modul BT 3 (Berichtswesen) aufgegriffen und mit den ohnehin schon existierenden Berichtspflichten an dieser Stelle gebündelt. Das Modul BT 3 gilt für alle Institute, die inhaltliche Ausgestaltung in der Praxis unterliegt, wie bisher, dem Proportionalitätsprinzip. Am grundsätzlichen Meldeturnus soll sich zwar zunächst nichts ändern, grundsätzlich sollen allerdings Produktionszeiten für die einzelnen Berichte mehreren Wochen in der Aufsichtspraxis keine Akzeptanz mehr finden.

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