Mehr Risiko gibt Japans Banken Auftrieb

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29. Mai 2017
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Anjani Trivedi

Für die japanischen Großbanken deutet sich eine Gezeitenwende an. Haben Institute wie die Mitsubishi UFJ Financial Group, Sumitomo Mitsui Financial und Mizuho Financial lange mit einer blutleeren Nachfrage nach Krediten und dem Verfall der Zinsen zu kämpfen gehabt, sieht es jetzt danach aus, als würden sie ihre Probleme mit einen Strategiewechsel anpacken.

Eine neue und bislang wenig beachtete Vorgehensweise ist die, dass die Banken mehr nachrangige Darlehen ausgeben. Das sind riskantere Schuldtitel, durch die die Kredithäuser weiter nach unten in der Reihenfolge derer rutschen, die bei einem Ausfall des Schuldners ihr Geld zurückbekommen. Japanische Banken haben nach Angaben von Moody's Investors Service im vergangenen Jahr solche Darlehen im Volumen von 14 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Das war fast so viel wie in den vorherigen vier Jahren zusammengenommen. Der Trend setzt sich dieses Jahr fort und die drei größten Banken des Landes sind vorn mit dabei.

Höheres Risiko bedeutet höhere Zinsen
Wegen des höheren Risikos, das üblicherweise unbesichert ist, können die Banken auch höhere Zinsen fordern. Wenn das auch bedeutet, dass damit einige "Zombie"-Firmen künstlich am Leben gehalten werden, so werden die Banken für ihre Mühen doch deutlich besser entlohnt. Das ist nicht der einzige Vorteil. Große japanische Banken sind oftmals immer noch in großem Stil an den Unternehmen beteiligt, die sie finanzieren. Mit dem Tausch alter, besicherter Darlehen in nachrangige Darlehen verfolgen die Banken außerdem das Ziel, die traditionell großen Überkreuzbeteiligungen zu reduzieren, welche schon lange ein Hindernis für Reformen in Japan darstellen. Die Konzerne können etwa die Finanzmittel aus den Darlehen dafür verwenden, ihre Anteile von den Banken zurückzukaufen, so Moody's.

Moody's: Beteiligungsverkäufe können Kapitaldecke stärken
Sollte sich der aktuelle Trend mit gleichbleibendem Tempo fortsetzen, könnten die Banken ihre Unternehmensbeteiligungen nach Ansicht von Moody's in den nächsten fünf Jahren um 3,7 Billionen Yen (umgerechnet knapp 30 Milliarden Euro) reduzieren. Damit könnten sie bislang eingeschlossenes regulatorisches Kapital freisetzen und ihre harten Kernkapitalquoten um geschätzte 0,8 Prozentpunkte verbessern. Die bisherigen Strategien der Banken, die etwa eine höhere Auslandskreditvergabe beinhalteten, haben keinen durchschlagenden Erfolg gebracht. Die japanischen Banken werden an der Börse aktuell etwa nur mit dem 0,6-fachen ihrer Buchwerte gehandelt. Der jüngste Umschwung jedoch könnte zu höheren Erträgen führen und gleichzeitig die Japan AG bei ihre Reformbemühungen unterstützen.