Nach Großbritannien fließt zur Unzeit viel heißes Kapital

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29. Juni 2018
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Von Paul J. Davies

Großbritannien leidet immer mehr unter dem Zufluss von zu viel „heißem Geld“. Das kommt ausgerechnet zu einer Zeit großer wirtschaftlicher Unsicherheit. Für die heimische Wirtschaft und Auslandsinvestoren bedeutet das ein erhebliches Risiko.

Großbritannien hängt seit Langem von Auslandsinvestoren ab, um sein Handelsdefizit zu finanzieren. Unter den G7 ist es gemessen an der Wirtschaftsleistung das höchste. Doch jüngste Änderungen in der Zusammensetzung der Zuflüsse machen das Land anfälliger für strengere Kreditbedingungen, wie die Bank of England diese Woche warnte. Die Initialzündung für eine Kreditklemme könnte ausgerechnet durch Auslandsanleger erfolgen, die sich weniger stark auf der Insel engagieren wollen. Das ist ein ziemlich besorgniserregender Gedanke für ein Land, das dem Brexit mit Meilenstiefeln entgegeneilt.

Eine plötzliche Abkehr von der EU ohne Handelsabkommen dürfte die Exporte, Firmengewinne und den Außenwert des Pfunds drastisch einbrechen lassen. In der Folge litte die Wirtschaft und die Auslandsanleger müssten hohe Verluste in Kauf nehmen. Unglücklicherweise ist das auch noch ein wahrscheinlicheres Szenario, als es sein sollte.

Einst stolzes Königreich am Tropf des Auslands

Gewerbeimmobilien sind ein Teil des Problems, da die Bewertungen äußerst hoch rangieren und die meisten Investoren aus dem Ausland stammen. So stehen hinter 50 Prozent aller entsprechenden Geschäfte in Großbritannien ausländische Fonds, in London allein sind es gar 73 Prozent. Die meisten kleinen und mittleren Unternehmen auf der Insel nehmen bei Bankkrediten eine Hypothek auf ihren Immobilienbesitz auf. Diese Kredite geraten aber in Gefahr, sobald die Preise nachgeben. Unterdessen nutzen größere Unternehmen zunehmend Anleihen und andere marktbasierte Finanzierungen statt klassischer Bankkredite. Diese Märkte sind zugleich volatil und es drohen stets Kapitalabflüsse. 

Unter den riskanter operierenden Firmen hat derweil auch noch die Nutzung gehebelter Kredite und Schrottanleihen rapide zugenommen. Im Vorjahr gab es in dieser Hinsicht einen Rekord. Hinter mehr als zwei Dritteln dieses Geldes standen Auslandsinvestoren. Zuletzt bestand ein immer größerer Teil der Zuflüsse aus Krediten an und Einlagen bei Banken. Beides kann äußerst kurzfristig angelegtes Geld sein. In der Vergangenheit waren Langfristanlagen in Form von Aktieninvestments eher an der Tagesordnung. In dem Maß, in dem sich der Brexit am Horizont abzeichnet, hängt das einst stolze Königreich mehr denn je vom Wohlwollen der Ausländer ab. (DJN) 

Bildquelle: ©DarrelCamden-Smith | istockphoto.com