Nachhaltigkeitsaspekte im RepRisk-Management

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11. Februar 2011
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Von Stefan Hirschmann

Die Bedeutung des Begriffs Nachhaltigkeit führt relativ schnell in die Tiefen moderner Unternehmensführung, denn gemeint ist nicht weniger als die Fähigkeit, als Unternehmen dauerhaft Bestand zu haben. Vor allem seit dem Ausbruch der Finanzkrise hat das Thema eine ungleich größere Bedeutung erhalten. Trotzdem ist die Umsetzung bei den Banken sehr unterschiedlich vorangeschritten, auch und vor allem im Hinblick auf die bestehenden Schnittstellen zum professionellen Risikomanagement.

DÜSSELDORF, 8.2.2011. Die Bedeutung des Begriffs Nachhaltigkeit führt relativ schnell in die Tiefen moderner Unternehmensführung, denn gemeint ist nicht weniger als die Fähigkeit, als Unternehmen dauerhaft Bestand zu haben. Das Erneuern der Vermögenswerte, Erzeugen und Bereitstellen von besseren Produkten und Dienstleistungen, Gewinnen immer neuer Generationen von Mitarbeitern sowie das Mitwirken an einer nachhaltigen Umwelt sind nur einige zentrale Aspekte. Doch auch der nachhaltige Umgang mit Geld, eine erhöhte Transparenz in allen Geldanlagen, die Orientierung an der Mittelverwendung und das betreiben ethisch-ökologischer Bankgeschäfte werden von immer mehr Menschen als authentische Alleinstellungsmerkmale erkannt und gesucht. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise hat das Thema Nachhaltigkeit eine ungleich größere Bedeutung erhalten. Trotzdem ist die Umsetzung bei den Banken höchst unterschiedlich vorangeschritten, auch und vor allem im Hinblick auf die bestehenden Schnittstellen zum professionellen Risikomanagement.

Ein modernes Nachhaltigkeitsmanagement stellt insbesondere die Verantwortlichen in großen Unternehmen vor organisatorische Herausforderungen. Strategie und Umsetzung von CR muss top-down durch alle Bereiche und Prozesse hinweg geschehen (Compliance-, HR-, Umwelt-, Sozial- und Risikomanagement). Dazu müssen Nachhaltigkeitsberichte erstellt, geprüft und veröffentlicht werden. Parallel wachsen die regulatorischen Anforderungen. Unter Risikogesichtspunkten ist das Thema Nachhaltigkeit vor allem ein Reputationsfaktor. Eine aktuelle CSR-Studie von Icon Added Value kommt zu dem Ergebnis, dass 84 % der Deutschen ein verstärktes CSR-Engagement von Unternehmen fordern. Die Finanzbranche ist besonders betroffen: Von ihr verlangt man ein Rundum-Engagement. Die Vorstellung vom  ?Kapital ohne Moral? hat die Kreditwirtschaft in der öffentlichen CSR-Wahrnehmung auf den letzten Platz katapultiert. Fragt man aber, welche Branchen für welche CSR-Themen verantwortlich sind, rangiert die Finanzbranche im Umfang ihrer Verantwortlichkeit auf Platz 1.

Foster Deibert (Foto), Leiter Sustainability Management bei der WestLB AG, überrascht dieser scheinbare Widerspruch nicht. ?Die Implementierung eines professionellen CR-Managements im Unternehmen ist durch externe Impulse und die zunehmende Bedeutung internationaler CSR-Standards getrieben?, so Deibert vor Mitgliedern des International Bankers Forum (IBF) in Düsseldorf. Darüber hinaus seien die Effekte von Umwelt und sozialen Risiken auf die Bonität eines Kunden von zentraler Bedeutung. Wenn diese Art von Risken nicht ausreichend berücksichtigt bzw. vermieden werden, könnte es sehr wohl negative wirtschaftliche Auswirkungen für einen Kunden haben, meint Deibert. In der Tat konnten Ökonomen der WestLB in einer ausführlichen Studie einen deutlichen Zusammenhang zwischen Kredit- und ESG-Ratings bzw. EESG-Ratings im Länderrisiko-Segment nachweisen. Im Ergebnis lässt sich ein statistisch signifikanter, positiver Zusammenhang von Kredit- und Nachhaltigkeitsratings konstatieren. Je höher also das EESG-Rating, desto höher ist tendenziell auch das Kredit-Rating.

Einen hohen Stellenwert haben Nachhaltigkeitsaspekte auch im Rahmen des RepRisk-Managements. Der Gefahr einer negativen Abweichung der Reputation können auch die Chancen einer positiven Abweichung gegenübergestellt werden, d.h. effizientes RepRisk-Management ermöglicht durchaus einen Reputationsgewinn. ?Ein solcher Reputationsgewinn kann sich z.B. durch vermehrtes Neugeschäft, niedrigere Kapitalkosten, höhere Mitarbeitermotivation, ausreichende Möglichkeiten der Eigenkapitalfinanzierung oder eine günstige öffentliche Berichterstattung auswirken?, weiß Dirk Elberskirch, Vorstandssprecher der Börse Düsseldorf AG. Dabei sind die wichtigsten Reputationstreiber Kundenzufriedenheit, finanzielle Prozesse, Qualität interner Prozesse (Corporate Governance, Mitarbeiter etc.) und gesellschaftliche Anforderungen.