No-Deal-Brexit – Deutsche Firmen kaum vorbereitet

ERM
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06. November 2018
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Redaktion RISIKO MANAGER

Bei den Brexit-Verhandlungen droht weiter ein No-Deal-Szenario. Einer Umfrage zufolge sind jedoch viele deutsche Firmen nicht ausreichend auf diesen Fall vorbereitet – obwohl die Folgen für die deutsche Wirtschaft schädlich sein könnten. Die britische Regierung glaubt unterdessen weiter an einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen.

Ein No-Deal-Szenario bei den Brexit-Verhandlungen ist weiter nicht ausgeschlossen. Dennoch sind weit mehr als 70 Prozent der deutschen Firmen, die Waren nach Großbritannien exportieren, nicht ausreichend auf ein Scheitern der Gespräche vorbereitet. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Das IW befragte mehr als 1.100 deutsche Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen.

Laut Umfrage sind einige Firmen auf einen harten Brexit vorbereitet und haben beispielsweise neue Lager angemietet, um Lieferverzögerungen zu überbrücken. Andere hätten ihre Werksferien auf die heiße Brexit-Phase gelegt, um nicht im laufenden Betrieb das Brexit-Chaos stemmen zu müssen. Allerdings sei das nur eine Minderheit, wie die IW-Umfrage zeigt: Von den Unternehmen, die ins Vereinigte Königreich exportieren würden, hätten knapp 30 Prozent angegeben, keine Vorkehrungen für ein No-Deal-Szenario getroffen zu haben, weitere 44 Prozent hätten nur geringe Vorkehrungen getroffen. Insgesamt seien sogar drei von fünf befragten Unternehmen überhaupt nicht vorbereitet. 

Schäden für die deutsche Wirtschaft befürchtet

IW-Ökonom und Studienautor Jürgen Matthes warnt, dass das Ergebnis besorgniserregend sei: „Wer glaubt, immer weiter abwarten zu können, um einen Notfallplan zu erstellen, irrt sich." Denn es seien zahlreiche Detailfragen zu prüfen, die jedes Unternehmen spezifisch für sich klären muss. „Wir befürchten im No-Deal-Szenario erhebliche Schäden für die deutsche Wirtschaft", sagt Ko-Autor Hubertus Bardt. 

Die britische Regierung sieht unterdessen weiter Chancen auf einen erfolgreichen Brexit-Deal. Wie „Spiegel-Online“ am Dienstagmorgen unter Berufung auf die „Times“ berichtet, will das britische Kabinett am Dienstag über die jüngsten Entwicklungen in den Brexit-Gesprächen beraten. Premierministerin Theresa May hofft demnach auf ausreichende Fortschritte bis zum Freitag, um noch im November auf einem Brexit-Sondergipfel in Brüssel das Abkommen mit der EU abzuschließen. 

Die EU und Großbritannien stehen bei den Verhandlungen unter großem Zeitdruck. Falls die Gespräche scheitern, würde London die EU ohne Austrittabkommen verlassen. Am 30. März 2019 käme es über Nacht zu einem harten Brexit mit Zöllen und langen Grenzkontrollen und zu einem rechtlichen Chaos. (ud)

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