Output Floors werden unwahrscheinlicher

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03. Februar 2017
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Von Hans Bentzien

Die Deutsche Bank erwartet wegen des Regierungswechsels in den USA, dass sich die weltweite Einführung höherer Eigenkapitalanforderungen im Rahmen des Regelwerks Basel 3 verzögern und weniger deutlich als geplant ausfallen wird. Am wahrscheinlichsten sei, dass es zu einer Fragmentierung der internationalen Regulierungspraxis komme, heißt es in einem aktuellen Kommentar der Bank zu der Meldung, dass der stellvertretende Vorsitzende des Finanzdienstleistungsausschusses des Repräsentantenhauses, Patrick McHenry, Fed-Chefin Yellen aufgefordert habe, vorerst nicht mehr über neue Bankenregeln zu verhandeln.

"Am wahrscheinlichsten ist es, dass es zu einer Verzögerung, keiner Einigung und schließlich einer Fragmentierung der globalen Regulierungslandschaft  kommt", schreiben die Analysten. Dass es tatsächlich wie geplant zur Einführung von Output Floors beim Einsatz interner Risikomodelle kommt, ist laut Deutscher Bank weniger wahrscheinlich geworden. Ein wichtiger Punkt im Streit zwischen Europa und den USA über Basel 3 betrifft die Frage, welche Kreditrisiken Banken künftig noch mit eigenen Modellen berechnen dürfen und wie stark das dabei ermittelte Ergebnis von dem eines Standardmodells nach unten abweichen darf (Output Floor). Europäische Banken, nicht zuletzt die Deutsche Bank selbst, nutzen intensiv derartige Modelle, in den USA sind sie weniger gebräuchlich. Die risikogewichteten Aktiva der Deutschen Bank könnten bei Einführung von Basel 3 je nach Szenario um rund 100 bis 125 Mrd. € höher ausfallen als derzeit, was deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen nach sich ziehen würde. Allerdings hätte die Bank rund zehn Jahre Zeit, die neuen Regeln einzuführen.

Die Analysten der Bank glauben allerdings nicht, dass es bei einem Scheitern von Basel 3 gar keine höheren Eigenkapitalforderungen geben wird. "Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft die internen Modelle unabhängig vom Baseler Prozess im Rahmen ihres Trim-Projekts, und das könnte in den nächsten zwei Jahren zu einem Anstieg der risikogewichteten Aktiva führen", schreiben sie. Output Floors oder neue Regeln für die Behandlung operationeller Risiken, die der Baseler Ausschuss noch nicht abschließend bearbeitet habe, seien nun aber weniger wahrscheinlich. Schon seit der Erklärung des Europäischen Rats von Juli 2016, dass es durch Basel 3 zu keinem deutlichen Anstieg der Eigenkapitalanforderungen kommen dürfe, seien diese Regulierungsrisiken nach und nach ausgepreist worden.

Zu den Banken, die von der Einführung von Output Floors am stärksten betroffen wären, gehören in Europa laut Deutscher Bank ABN Amro, SEB, Nordea  und ING. Angaben zu eigenen Exponierung machte die Bank nicht. Laut einer Untersuchung von Standard & Poor's Markets gehört die Deutsche Bank allerdings  zu den Instituten, die ihre risikogewichteten Aktiva durch den Einsatz interner Modelle am stärksten klein rechnen. Ein Hauptopponent eines hohen Output Floors ist die Deutsche Bundesbank. Deren Vorstandsmitglied Andreas Dombret hatte am Donnerstag gesagt: "Lieber keine Einigung in Basel als eine schlechte." Die Bundesbank setze sich dafür ein, dass die Eigenkapitalanforderungen bei der Vollendung von Basel 3 nicht  noch weiter stiegen. Unterdessen geht die neue US-Regierung daran, die nach der Finanzkrise verschärfte Regulierung der US-Banken zu lockern. Gary Cohn, der Präsident Donald Trump als ranghöchster US-Wirtschaftsexperte berät, sagte dem Wall Street Journal, dass Trump am Freitag ein Dekret zur Abschwächung des Dodd-Frank-Act unterzeichnen wird. (DJN) 

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