Regulierer heben nach Stresstests Daumen für griechische Banken

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08. Mai 2018
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Von Nektaria Stamouli

Die europäischen Regulierungsbehörden haben Griechenlands größten Banken einen guten Gesundheitszustand bescheinigt. Das stellt einen wichtigen Schritt zum Abschluss des achtjährigen Rettungsplans dar, der die Wirtschaft des Landes strapaziert hatte.

Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) durchgeführten "Stresstests" der National Bank of Greece SA, der Alpha Bank AE, der Eurobank Ergasias SA und der Piraeus Bank SA zeigten demnach, dass die Kreditgeber über genügend Kapital verfügten, um sie gegen einen hypothetischen schweren Wirtschaftsabschwung abzufedern. In der Folge könnten etwa 20 Mrd. Euro aus den Rettungsfonds Griechenlands, die für potenzielle Rekapitalisierungen vorgesehen waren, stattdessen zur Deckung anderer Bedürfnisse wie Schuldenerleichterung verwendet werden.

Die 2010 ausgebrochene Staatsschuldenkrise hatte die griechischen Kreditinstitute hart getroffen. Seit den Höchstständen im Jahr 2008 wurden rund 120 Mrd. Euro an Einlagen abgezogen, rund die Hälfte des Gesamtbetrags im griechischen Bankensystem. Seitdem haben sie jedoch einen langen Weg zurückgelegt, auf dem sie im Rahmen der aufeinanderfolgenden Rettungsaktionen des Internationalen Währungsfonds und europäischer Institutionen dreimal rekapitalisiert wurden, was verknüpft war mit umfassenden politischen Reformen und Sparmaßnahmen. Nach Jahren wirtschaftlicher und politischer Turbulenzen ist Griechenland nun wieder nahe dran, sich von dem Rettungspaket zu befreien. Die Regierung muss dazu aber noch eine Reihe von Reformen durchführen, auch auf dem Energiemarkt und bei der Privatisierung. Die Gläubiger streben an, die abschließende Prüfung bis Ende Mai abzuschließen.

Kernkapitalquoten über der Hürde

Den Ergebnissen der Stresstests zufolge würden die vier Banken bei einer ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung bis 2020 rund 15,5 Mrd. Euro oder 9 Prozentpunkte ihres Kapitals verlieren. Die Kapitalbasis der Banken deckt diesen Bedarf allerdings. Die Kernkapitalquote (Tier 1) der Alpha Bank würde im Stress-Szenario auf 9,69 Prozent sinken. Die Nationalbank von Griechenland käme auf 6,92, die Eurobank auf 6,75 und die Piraeus Bank auf 5,90 Prozent. Die Regulierer haben zwar nicht für jede einzelne Bank ein Bestanden- oder Nicht-Bestanden-Urteil gefällt, die inoffizielle Hürde im negativen Szenario liegt aber bei 5,5 Prozent.

Alpha Bank, Nationalbank und Eurobank sagten, dass die Ergebnisse keine Kapitalpläne notwendig achten. Von der Piraeus Bank hieß es, dass ein Plan zur Stärkung des Kapitals weiter verfolgt werde und dass Verkäufe von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereichen fortgesetzt würden ebenso wie die Trennung von notleidenden Krediten

Ähnliche Tests sollen für Banken in ganz Europa durchgeführt werden. Die Ergebnisse sollen im November veröffentlicht werden. Die Prüfung der griechischen Banken war vorgezogen worden, um den Kreditgebern genügend Zeit zu geben, etwaige Lücken zu schließen, die vor Ablauf der Rettungsaktion entstehen könnten. (DJN) 

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