RepRisk im Fokus der Bankenaufsicht

-
16. November 2015
-
Von Stefan Hirschmann

Die Bankenaufsicht macht sich in zunehmendem Maße auch Gedanken darüber, wie Reputationsrisiken die Erträge, die Eigenmittel oder die Liquidität eines Instituts negativ beeinträchtigen können und mit welchen aufsichtlichen Maßnahmen dieser Risikokategorie entgegengewirkt werden soll.

Eine Berücksichtigung der Reputationsrisiken primär im Rahmen der Bewertung des operationellen Risikos ist sinnvoll, da beide Risikoarten eng zusammenhängen. So wirken sich die meisten operationellen Risikoereignisse entscheidend auf die Reputation eines Instituts aus. In diesem Fall wären Reputationsrisiken also OpRisk-Folgerisiken. Daher werden Reputationsrisiken in den EBA-Leitlinien zu gemeinsamen Verfahren und Methoden für den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) dem Bereich der Bewertung der operationellen Risiken qualitativ zugeordnet, führt Michael Schöppe (Foto) aus, der bei der Finanzaufsicht BaFin im Grundsatzbereich Operationelles Risiko tätig und Co-Chair des Fachgremiums OpRisk ist. Jedoch fließt das Reputationsrisiko nicht in den Scorewert für das operationelle Risiko ein, sondern wird gegebenenfalls im Rahmen der Geschäftsmodellanalyse und der Bewertung des Liquiditätsrisikos berücksichtigt. Der Grund dafür ist laut Carmen Koberstein-Windpassinger, Leiterin des Bereichs Risikomanagement und Modellierung für Kreditrisiken und operationelle Risiken der BaFin, dass das Reputationsrisiko im Wesentlichen zu einem Rückgang der Erträge des Instituts bzw. der Geschäftsaussichten, einem Abfluss von Liquidität oder einer Erhöhung der Kosten der Refinanzierung aufgrund eines Vertrauensverlustes seitens der Investoren, Einleger oder Teilnehmer des Interbankenmarkts führen kann.

Seiner Art nach sei das Reputationsrisiko eher für große Institute maßgeblich, so Schöppe, die in Interbankenmärkten operieren. Für die Regulatoren greife hier deshalb das Prinzip der doppelten Proportionalität. Dabei werden u.a. die Größe und Governance, das Umfeld sowie das Geschäftsmodell der jeweiligen Institute berücksichtigt. Auf eine eigene RepRisk-Policy drängt die Aufsicht deshalb bislang nur bei Großbanken. Generell müssen die Banken das Risikopotenzial für sich selbst einschätzen, eine Eigenanalyse vornehmen, Risiken bewerten und dann ggf. vor der Bankenaufsicht rechtfertigen. „Eine aufsichtliche Säule-1-Anforderung für RepRisk steht nicht an“, so Schöppe. Jedoch könne laut Koberstein-Windpassinger RepRisk im Rahmen der Risikotragfähigkeit in Säule II eine wichtige Rolle spielen; dort sind „weitere wichtige Risiken“ zu erfassen und im ICAAP ggf. auch zu quantifizieren.