Risikomanagement als Werttreiber?

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16. Mai 2014
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Von Stefan Hirschmann

In der Regel werden Stabsstellen im Konzern erst einmal als Kostenfaktor gesehen. Dies kennen vor allem die Compliance Officer und Risikomanager. Klassischerweise ist dies der kulturelle Gegensatz zwischen Rainmaker und Risk Manager.

KÖLN, 16.5.2104. In der Regel werden Stabsstellen im Konzern erst einmal als Kostenfaktor gesehen. Dies kennen vor allem die Compliance Officer und Risikomanager, die im Vergleich zum Vertrieb oft als ?Bremser? und ?Verhinderer? gesehen werden. Klassischerweise ist dies der kulturelle Gegensatz zwischen dem sog. Rainmaker, der Gold regnen lässt, und dem Risk Manager, der den Rainmaker ausbremst. Der wertsteigernde Faktor von Risk & Compliance-Funktionen kommt bei dieser Sichtweise zu kurz, ist zugegebenermaßen aber auch mitunter schwer zu vermitteln. Gemäß einer aktuellen KPMG-Studie beträgt der Gesamtaufwand für die Umsetzung und Anwendung der unterschiedlichen Regulierungsmaßnahmen für die deutschen Kreditinstitute rund 9 Mrd. ? jährlich. Er setzt sich zusammen aus direkten Kosten für Sach- und Personalaufwand, der FSMA-Bankenabgabe sowie aus indirekten Kosten einer verbesserten Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung. Im Zeitraum 2010 bis 2012 stand nach Erkenntnissen der KPMG-Studie jeder vierte Euro, der für bankinterne Projekte aufgewendet wurde, im direkten Zusammenhang mit neuen Regulierungsvorschriften. Gleichwohl erscheint diese Zahl im Vergleich zur Höhe einzelner Strafzahlungen wegen Compliance-Verstößen in den USA eher gering. So ist die Citigroup wegen missbräuchlicher Informationspraktiken zur Zahlung von 30 Mio. US-$ verurteilt worden. Wegen Nichtbeachtung von Iran-Sanktionen soll die Deutsche Börse 152 Mio. US-$ zahlen. Die Royal Bank of Scotland (RBS) legt einen Rechtstreit mit der US-Börsenaufsicht über Hypothekenpapiere gegen Zahlung von 153,7 Mio. US-$ bei. Die Rabobank zahlt im Streit um manipulierte Zinsen für eine Einigung mit den Aufsichtsbehörden insgesamt 774 Mio. ?. Die britische HSBC zahlt 2,46 Mrd. US-$ u.a. wegen Verstöße gegen das US-Wertpapiergesetz. Der US-Hypothekenkreditregulierer FHFA fordert von der Bank of America 6 Mrd. US-$ und die US-Bank J.P. Morgan Chase einigte sich im Streit um faule Hypothekenpapiere mit dem US-Justizministerium auf die Zahlung von insgesamt 13 Mrd. US-$. Rechnet man diese Zahlen gegen die regulatorischen Kosten, ist der Beweis erbracht: Risikomanagement und Compliance sind wertsteigernd!
Als persönlichen Spaß habe ich es mir trotzdem zur unregelmäßigen Gewohnheit gemacht, auf der Pferderennbahn die Gegenprobe zu machen. Ich setze grundsätzlich nur auf Rennpferde mit regulatorischen Namen. Das Galopprennpferd "Comply or Die" war immerhin Gewinner des Grand National im Jahr 2008 und erzielte eine Gewinnsumme in Höhe von 600.000 GBP. Mein Einsatz von 5 EUR auf Sieg brachte damals 75 EUR Gewinn ? absolut wertsteigernd! Das Galopprennpferd "In Compliance" belegte zwar beim Grand National 2012 nur den 5. Platz, erhielt aber für diese Platzierung trotzdem noch 26.000 GBP Siegprämie. Der Galopper "Risk Taker" erreichte zumindest in einem bedeutenden Rennen in Chester den dritten Platz, wohingegen das deutsche Rennpferd "Riskante" in seiner Laufbahn erfolglos geblieben ist. Beseelt von der erfolgreichen Fachkonferenz OpRisk Forum 2014 in Köln habe ich dann am selben Abend übermütig 20 EUR auf das in Belmont Park startende Pferd "Risk Management" gesetzt. Leider ist "Risk Management" diesmal abgeschlagen Letzter geworden.

 

Dr. Stefan Hirschmann ist Chefredakteur der Zeitschrift "die bank" sowie Redaktionsleiter von "bank & compliance" und "RISIKO MANAGER". Bis 2005 war er Chefredakteur der Zeitschrift "RATINGaktuell".