Schiffsfinanzierer im Visier der Aufseher

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23. Juni 2016
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Von Stefan Hirschmann

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) laut informierten Personen von zahlreichen Finanzinstituten umfangreiche Daten über Schiffskredite und Rücklagen für ausfallgefährdete Darlehen angefordert hat, dürften die Aufseher bald weitere Abschreibungen fordern. Die in der Schiffsfinanzierung engagierten Banken werden wohl weitere Rückstellungen für ausfallgefährdete Schiffskredite bilden und die Risikovorsorge erhöhen müssen. Teilweise nimmt die Krise existenzbedrohende Ausmaße an. Zuletzt haben sich die Träger der Bremer Landesbank (BLB) zur Unterstützung der strauchelnden Bank bereit erklärt und prüfen dazu verschiedene Optionen. Die anhaltende Krise der Schiffsmärkte und die erhöhten regulatorischen Anforderungen an die Schiffsbewertungen machten eine Kapitalerhöhung erforderlich, wie die Bremer Landesbank mitteilte. Dem Land Bremen gehören gut 41 Prozent der BLB, der Norddeutschen Landesbank (NordLB) mehr als die Hälfte. Einen kleinen Anteil hält der Niedersächsische Sparkassen- und Giroverband. Die klamme Hansestadt Bremen wird ihre Anteile wohl komplett an die NordLB veräußern. Die erforderlichen Entscheidungen sollen bis Jahresende 2016 umgesetzt werden. Auf Betreiben der Bankenaufsicht sollen die Risiken bei den Schiffsfinanzierungen mit 700 Mio. € frischem Kapital abgefedert werden. Mehr als 300 Mio. € kann die BLB selbst offenbar nicht aufbringen.

Dabei hat die NordLB selber erhebliche Probleme in diesem Segment. Die Verschärfung der Schiffskrise hat der Landesbank im ersten Quartal 2016 einen hohen Verlust beschert. Land ist nicht in Sicht, weshalb die NordLB auch im Gesamtjahr mit einem Verlust rechnet. Wegen der weiteren Verschlechterung der Lage an den Schifffahrtsmärkten stockte die NordLB die Risikovorsorge um 435 Mio. € auf. Im Vorjahr waren es nur 104 Mio. €.

Auch die HSH Nordbank kämpft mit den Schiffsrisiken. Die Bank musste 2015 wegen des sich eintrübenden Geschäfts mit Schiffskrediten und der bevorstehenden Auslagerung der faulen Kredite eine gewaltige Risikovorsorge von gut 3 Mrd. € bilden. Gut die Hälfte davon war der Bewertung der zu übertragenden Portfolios geschuldet. Für die Schiffskredite mussten mehr als 1,1 Mrd. € zur Seite gelegt werden.

Einen Schritt weiter ist bereits die Commerzbank, die ihre Risiken mit Nachdruck reduziert. Das Kreditrisiko (Exposure at Default - EaD) wurde 2015 um 13 Mrd. € in der gewerblichen Immobilienfinanzierung sowie in der Schiffsfinanzierung abgebaut. Es lag damit zum Jahresende nur noch bei 19 Mrd. €, womit das Ziel von 20 Mrd. € bis Ende 2016 vorzeitig erreicht wurde. In der Schiffsfinanzierung schmolz das Portfolio seit Ende 2014 um 30 Prozent auf 8,4 Mrd. € ab. Die notleidenden Kredite wiesen in beiden Fällen jeweils weniger als 1 Mrd. € auf und damit zwei Drittel weniger als zuvor. Die Kreditrisiken aus der Schiffsfinanzierung sollen bis Ende 2019 auf einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag reduziert werden.

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