Schiffsrisiken weiterhin hoch

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12. September 2016
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Redaktion RISIKO MANAGER

Die weltweite Schifffahrtsbranche befindet sich seit Jahren auf rauer See. Dies wird sich nach Einschätzung der Euler Hermes-Finanzexperten auch so schnell nicht ändern. Zwischen Januar und Mai 2016 sind die Insolvenzen in der Branche im Vorjahresvergleich um mehr als 10 Prozent gestiegen. Die Branche leidet weiterhin an Überkapazitäten, Fracht- und Charterraten auf einem Rekordtief bei einem gleichzeitig schwächelnden Welthandel. Vor allem die Container-Reeder setzen auf Fusionen oder Allianzen, um diesem Sturm zu trotzen. Die Experten gehen jedoch von einem Weltwirtschaftswachstum von lediglich 2,7 Prozent im Jahr 2017 aus. Das bedeutet zum sechsten Mal in Folge einen Zuwachs unterhalb der 3 Prozent-Marke. Deshalb bleiben die Risiken in der Branche auch weiterhin hoch. Insbesondere in einigen Sparten wird es auch weiterhin zu Insolvenzen kommen.

Einige Branchenprobleme seien jedoch auch hausgemacht, betont Chefvolkswirt Ludovic Subran. Durch den Neubau-Boom immer größerer Megacontainerschiffe, sei es zu einer Überkapazität gekommen, die nun zu einem Sinkflug der Frachtraten führe. Allianzen und Fusionen dienen nun vielen Reedern als Rettungsanker. „Trotz dieser Maßnahmen werden einige Reedereien erhebliche Verluste schreiben“, sagt CEO Ron van het Hof. Denn mit der Bildung von Allianzen und durch Fusionen gingen viele gecharterte Schiffe auch an die Eigner zurück. Das löse eine Kettenreaktion aus und treffe vor allem die kleineren Reeder hart.

Auch auf die Sicherheit in der Schifffahrt hat die schwierige wirtschaftliche Lage negative Auswirkungen, analysieren Finanzexperten der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) in einer jüngst erschienenen Studie. Viele Sparten, wie Fracht, Container und Offshore sind bereits gefährdet und jede weitere Verschlechterung der Sicherheitsstandards könnte die Situation zusätzlich verschlimmern. Die AGCS-Experten warnen vor einer aufschiebenden Sicherheitsmentalität, die notwendige Investitionen auf vermeintlich bessere Zeiten vertagt.

Bildquelle: Fotolia.com/Renato Francia